Monatsarchiv für Dezember 2010

 
 

Der Rhein für die gebildeten Stände (3)

Der Rhein durchfließt zuerst Graubündten, macht die Grenze zwischen dem vorarlbergischen Kreise und dem schweizer. Cantone St.-Gallen, scheidet dann, nachdem er den Bodensee verlassen hat, das Großherzogthum Baden und die Schweiz, von Basel an, wo er sich nördl. wendet, dasselbe Großherzogthum und die franz. Departements des Ober- und Niederrheins, sowie den Rheinkreis des Königreichs Baiern; durchströmt nun das Großherzogthum Hessen, das Herzogthum Nassau, die preuß. Provinz Rheinland und zuletzt die Niederlande. Die vornehmsten in denselben sich ergießenden Flüsse sind: die Aar, die Jll, die Kinzig, Murg, der Neckar, der Main, die Nahe, Lahn, Mosel, Erft, Ruhr und Lippe. Viele beträchtliche Städte liegen an seinen Ufern, so in der Schweiz und Deutschland: Konstanz, Schaffhausen, Basel, Alt-Breisach, Speier, Manheim, Worms, Mainz, Bingen, Koblenz, Neuwied, Bonn, Köln, Düsseldorf, Wesel und Emmerich. An Fischen ist der Rhein sehr reich. Man fängt darin Salmen, welche im Frühlinge im Hinaufsteigen aus der See Lachse, hernach aber, wenn sie sich gegen den Herbst wieder nach dem Meere zu wenden, Salmen genannt werden, Rheinstöre, Neunaugen, Hechte, Karpfen, oft zu 20 Pfund schwer u.s.w. An Federwildpret hält sich auf den unzähligen Rheininseln und dessen Ufern eine Menge verschiedener, oft seltener Gattungen auf. Auch führt der Rhein etwas Gold unter seinem Sande, welches theils aus dem Gebirge Helvetiens, theils aus dem des Schwarzwaldes kommt. Eine vorzügliche Wichtigkeit, besonders für das westl. Deutschland, hat der Rhein durch die Schiffahrt. (S. Rheinschiffahrt und Rheinhandel.) Er wird von Chur in Graubündten an befahren; unter Schaffhausen fängt die bequemere Schiffbarkeit des Stromes an; allein die größere Rheinschiffahrt mit schwer beladenen Schiffen beginnt erst bei Speier. Von Strasburg bis Mainz gehen Schiffe, die 2000—2500 Ctr. laden, von Mainz bis Köln Schiffe von 2500—4000 Ctr., und von Köln bis Holland Schiffe, welche 6000 —9000 Ctr. tragen. (S. Flöße.) Außer den Rheinfällen hält man für die Schiffahrt gefährlich: 1) Das Bingerloch, bei Bingen, sechs Stunden unterhalb Mainz. Hier nähern sich die Berge, welche den Rhein einschließen, von beiden Seiten so, daß man bis an das Flußbett hinein den ehemaligen Zusammenhang der gegenseitigen Felsen gewahr werden kann. Diese Felsenwand, die sich von einem Ufer zum andern erstreckte, wurde wahrscheinlich im Laufe von Jahrhunderten durch die Gewalt des Wassers oder durch eine Erdrevolution zum Theil zertrümmert und ließ nun dem Strom eine zwar freie, aber enge Bahn. Karl der Große ließ diese Öffnung erweitern, doch blieb sie noch immer so enge, daß nur ganz kleine Fahrzeuge die Fahrt machen konnten. Erst unter dem Kurfürsten Sigismund von Mainz wurde der Weg für größere Schiffe fahrbar und minder gefährlich. Die einzige Durchfahrt, welche man das Bingerloch nennt, war bis zum J. 1834, wo die preuß. Regierung durch Sprengen dieselbe erweitern ließ, nur 50 F. breit, und auch jetzt ist dieselbe bei niedrigem Wasser nicht ohne Gefahr zu passiren. Daselbst steht auch mitten im Wasser auf einem Felsen Hatto’s Thurm oder der Mäusethurm. (S. Hatto.) 2) Das wilde Gefährt bei Bacharach, wo der Strom im Thalwege mit fürchterlichem Gefälle des Wassers zwischen Felsen und Banken eine Art Trichter bildet. Dasselbe ist nur für die den Strom hinabfahrenden Schiffe gefährlich. 3) Die sogenannte Bank von St.-Goar, wo des Flusses Wellen an eine Gruppe theils sichtbarer, theils verborgener Klippen anprallen und einen Strudel bilden. 4) Der kleine und große Unkelstein bei dem Städtchen Unkel, eine Gruppe Basaltsäulen, die theils unter dem Wasser verborgen sind, theils hervorragen. Die größere Gruppe, der große Unkelstein genannt, ist unter der franz. Herrschaft hinweggeräumt worden, und auch die kleinen Gruppen können bei hohem Wasser von leeren Schiffen überfahren werden.

(aus: Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie für die gebildeten Stände. Conversations-Lexikon, Band 9, F.A. Brockhaus Verlag, Leipzig 1836)

Der Rhein für die gebildeten Stände (2)

Vom Bodensee bis Basel, wo der Rhein schon eine Breite von 750 F. erhält, hat er ein felsenreiches Bett. Von Basel aus wird sein Bett von vielen Inseln durchschnitten, die jedoch zum größten Theil blos aus Sand- und Kiesbänken bestehen, welche häufig von einer Seite weggerissen und an der andern wieder angesetzt werden. Von Breisach herab trifft man schon mehre bestaudete und selbst angebaute Inseln. Zwischen Strasburg und Germersheim ist das Bett immer noch sehr inselreich, aber der größte Theil dieser Inseln ist mit Gebüsch bewachsen. Zwischen Strasburg und Speier ist der Rhein 1000—1200 F., bei Mainz 1500—1700 F., und bei Schenkenschanz, wo er in die Niederlande eintritt, 2150 F. breit. Die Tiefe des Rheins beträgt 5—28, bei Düsseldorf sogar 50 F. Bei Schenkenschanz theilt er sich in zwei Arme, wovon der südl. die Waal heißt, zwei Drittheile seines Gewässers nimmt, sich hernach zweimal mit der Maas vereinigt und unter dem Namen Merwe in das deutsche Meer fließt. Der nördl. Arm des Rheins hatte vormals in seinem Laufe nach Arnheim zu mehre Windungen; seit 1720 aber hat man von der Waal aus bei dem Dorfe Pannerden einen Kanal gegraben, wodurch das alte Bett des Stroms nun größtentheils vertrocknet ist. Durch diesen pannerdenschen Kanal fließen jetzt die Gewässer des Rheins fort, nachdem sie sich unterhalb Millingen von der Waal getrennt haben. Ehe dieser Arm des Rheins nach Arnheim kommt, theilt derselbe sich wieder oberhalb Westervoort und bildet die sogenannte neue Yssel. Diese Abtheilung des Stroms ist eigentlich der Kanal, den Drusus graben ließ, indem die Gewässer sich bei Doesburg mit der alten Yssel vereinigen und zuletzt sich in die Zuydersee ergießen. Von da, wo sich der Drusische Kanal von dem Rheine trennt, wendet dieser letztere sich nach Arnheim und behält seinen Namen, bis er bei Wageningen und Rhenen vorbei ist, wo er Lech heißt und auf Wyk bei Durstede fließt. Von hier floß sonst der Rhein mit vollem Strome nach Utrecht, jetzt ist aber nur noch ein sehr schwacher Arm übrig, der krumme Rhein genannt. Weiterhin, Vianen gegenüber, ist schon vor mehren Jahren aus dem Lech ein Kanal gegraben worden, welcher nach Utrecht geht und gewöhnlich die Vaart genannt wird. Da derselbe mit Schleusen versehen ist, so kommen auf demselben sehr beträchtliche Schiffe nach Utrecht und von da weiter nach Amsterdam. Unterhalb Vianen sondert sich ein kleiner Arm vom Lech ab, den man die Yssel nennt, und der sich eine Meile oberhalb Rotterdam in die Merwe ergießt. Der Lech fließt von Vianen nach Schoonhofen und geht oberhalb Crimpen op de Lek in die Maas. Von den Gewässern des Rheins, die nach Utrecht fließen, geht abermals ein Arm ab, welcher die Vecht genannt wird und sich nach einem achtstündigen Laufe bei Muyden in die Zuydersee ergießt. Der übrige Rhein fließt von Utrecht nach Leyden, wo er beinahe einem Graben ähnlich sieht. Bei Rhynsburg vorbei kommt endlich dessen kleines Gewässer, drei Stunden von Leyden, nach Katwyk op Rhyn, wo derselbe eine halbe Stunde davon sich noch zu Anfange dieses Jahrh. in den Sand verlor. Sonst hatte der Rhein da einen Ausfluß in die See bei Katwyk op Zee. Nach einigen vergeblichen Versuchen, die alte Mündung wieder zu öffnen, welche durch die entstandenen Dünen verschwunden war, hat man erst seit wenigen Jahren die Schwierigkeiten völlig überwunden, indem man in einem Kanale die in den Sand sich verlierenden Gewässer des Rheins gesammelt hat. Am äußersten Ende desselben befindet sich eine Hauptschleuse, eine zweite inmitten, beim Anfange der Seedünen, eine dritte kleinere beim Ausgang des Kanals aus dem Rhein, und so ist durch Hülfe der Kunst der Ausfluß des Rheins wiederhergestellt worden. Hierbei hatte man den Hauptzweck, die niedrigen Gegenden der Provinz Holland von dem überflüssigen Wasser zu entledigen und dadurch deren Werth zu erhöhen, welcher Zweck auch in hohem Grade erreicht worden ist.

(aus: Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie für die gebildeten Stände. Conversations-Lexikon, Band 9, F.A. Brockhaus Verlag, Leipzig 1836)

Der Rhein für die gebildeten Stände

Rhein, einer von den Hauptflüssen Deutschlands, der ein schönes, wein- und fruchtreiches Land durchströmt, einen Weg von 190 M. zurücklegt und über 12,200 Flüsse und Bäche dem Oceane zuführt, entspringt in dem helvet. Canton Graubündten aus drei Hauptquellen, welche der vordere, mittlere und hintere Rhein heißen. Der vordere quillt aus dem Gebirge Crispalt, nordöstl. vom Gotthard, und vereinigt sich bei Dissentis mit dem mittlern Rheine, welcher vom Lukmanierberge herabkommt. Diese vereinigten Flüsse vermischen sich bei Reichenau mit dem Hinterrhein, der im Gebirge Adula auf dem Vogelberge aus einem Gletscher sich sammelt und bis Reichenau 20 Stunden weit fließt. Daselbst erhalten diese drei vereinigten Rheinquellen den gemeinschaftlichen Namen Rhein und haben eine Breite von 230 F. In der Gegend von Chur wird er schiffbar; zwischen Rorschach und Fußach stürzt er mit großem Geräusch in den Bodensee, den er zwischen Stiegen und Eschenz wieder verläßt und seinen Lauf nach Schaffhausen und Basel fortsetzt, nachdem er vorher mehre Wasserfälle gebildet hat. Solcher Wasserfälle, vorzugsweise Rheinfälle genannt, gibt es vier: 1) Der Rheinfall, eine Stunde unter Schaffhausen bei den beiden Laufen, wovon das eine (Dorf und Schloß) dicht am Rhein, auf dem Boden des schweizer. Cantons Zürich, und das andere, ein altes Schloß, gegenüber auf einer Insel liegt, ist der bedeutendste und durchaus nicht zu passiren, weshalb die Ladung der Schiffe zur Achse durch Schaffhausen gebracht werden muß und erst unterhalb der Stadt wieder eingeschifft werden kann. Nachdem der Strom ungefähr 500 Schritte oberhalb der beiden Laufen zwischen ungeheuern Felsen, die zum Theil mitten aus seinem Bette hervorragen, eingeengt worden ist, schießt er dann bei immer zunehmendem Abhange in unzähligen Buchten von Fels zu Fels hin und stürzt sich endlich, 80 F. hoch, 300 F. breit, mit einem in der Nähe betäubenden und bei stiller Nacht auf zwei Meilen weit hörbaren Getöse in drei Fällen steil herab, wovon der auf der Südseite, zwischen zwei Felsenpfeilern, der gewaltsamste ist. Die ganze Breite des Sturzes übersieht man aus einem Hause, nicht weit vom Sturze, fast in der Mitte des Flusses, das durch eine Zugbrücke mit dem Ufer verbunden ist; doch kein Bild vermag dieses Schauspiel darzustellen. 2) Der Rheinfall unter Zurzach, bei der Mündung der Wutach, der nur bei hohem Wasserstande die Schiffahrt hindert. Er wird verursacht durch einen quer durch den Strom gehenden Felsendamm, in dessen Mitte eine Lücke sich befindet, durch welche bei niedrigem Wasser die Schiffe passiren. 3) Der Rheinfall bei Laufenburg, der nur in einer Stromschnelle besteht, auf welcher leere Schiffe an Seilen durch Menschen, oft jedoch mit Lebensgefahr, hinuntergelassen werden. 4) Der Rheinfall bei Rheinfelden, der Höllhaken, auch das Gewild genannt. Schon eine Stunde oberhalb Rheinfelden fangen die Felsen im Strome an und streichen bis unter die Brücke dieser Stadt dergestalt fort, daß nur eine schmale Öffnung bleibt, durch welche die Schiffe mit der größten Vorsicht geführt werden müssen.

(aus: Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie für die gebildeten Stände. Conversations-Lexikon, Band 9, F.A. Brockhaus Verlag, Leipzig 1836)

An den Rhein

Gewalt`ger Bruder, wag ich es, dein Bild,
Das immerzu an mir vorüberfließt
Und sich voll Majestät in mich ergießt,
Im Vers zu spiegeln als dein helles Schild:

Ich diene dir getreu an meiner Statt.
Mein Haus prangt fest an deinem weichen Rand,
Mit blanken Augen froh dir zugewandt,
Sieht es wie ich sich niemals an dir satt.

Am liebsten freilich bist du uns bei Nacht.
Du schläfst nicht ein, ziehst deine große Bahn
Gleich uns gewunden durch des Daseins Macht

Dem Meer, dem Tode zu. Du fühlst ihn nahn,
Und unter den Gestirnen wirr entfacht
Singst du im Sterben leise wie ein Schwan.

Das Sonett stammt von Herbert Eulenberg, der im Garten seines im Text erwähnten Kaiserswerther Hauses direkt am Niederrhein begraben liegt, wie wir auf einer Gartenparty dortselbst im Jahre 2002 entdeckten. Geladen hatte der niederländische Generalkonsul, der das Eulenberghaus bewohnte, zu Schnittchen und gecoverten Mainstreamhits. Der Rhein zu Füßen der Villa wirkte wie ein mächtiger Wächter, ein alle möglichen Angriffe wegspülendes Etwas, ein walzendes, unbezwingbares Wesen, das unterhalb des sanft abfallenden englischen Rasens für aristokratische Reinheit sorgte, eine totalitäre Klarheit, mit weichem Rand vielleicht, die Erinnerung versagt entweder, oder wir biegen sie uns zurecht: der Rhein hatte dort etwas Erschreckendes, allzu sehr zum Meer Hinziehendes, er muß Eulenbergs Nerven geradezu überschwemmt haben.

Hochwasser, Treidelstation

bei-wittlaer

Bei Wittlaer staut sich der Schwarzbach bei Hochwasser von der Rheineinmündung zurück. Den Mittelgrund befächern mächtige Hybrid-Pappeln. Hinter ihrem Gebreite und Gespreite versteckt sich ein Fachwerkhaus: die alte Treidelstation zwischen Wittlaer und Kaiserswerth, an welcher die Pferde, die die Kähne rheinaufwärts ziehen mußten, gewechselt wurden. Auch Napoleon soll hier in der Nähe seine Pferde ausgetauscht haben. (Bild und Info: Rainer Vogel)

Gorrh (11)

Schädeldecke ragt aus der Entengrütze, klappert skalphaft n afrikanischen Takt: krokodilesk, betont echsig, rammt Gorrh seinen gepanzerten Körper an Land, Schlick im Gemüt, Schlick untern Achseln, algenbewachsene Waden, verschlacktes Bauchfell. Raus ausm Tümpel. Umschalten von Kiemen- auf Lungenatmung. Gebißrevision. Neoprenanzug aus, Radlerhose an. Einen Kuemmerling auf ex. Aus den Unterwasserträumen hallen Melodien nach. Die Fahrräder warten in langen Reihen. Das ist Triathlon, denkt Gorrh, was ich erlebt hab, das kann nur ich erleben, meine Welt ist bunt, ich glotz TV. Gorrh wirft sich ein paar Lysergs ein, verspeist am Kontrollposten eine glatte Banane: schaunsema, wievielstemmpel, ichschonnab. Kommt dann ans Laufen, mit Beethovenkraft in Fünfteauftaktsstärke, läuft, joggt (wemmerdesmalsojovialsagederf), dh, Gorrh winkelt Schenkel gleichschenklig und rechtwinklig zum Zwecke des Laufens, Beschleunigens, kommt in Schwung, läuft in die Küche, stiehlt dem Koch ein Ei, sanft wellt sich sein kastanienfarbenes Haar im selbst verursachten Gegenwind, Gorrh kommt auf Touren, karmannghiat und mercedesbenzt, beemwet sogar, rudert mit seinen Armen, lang wie die Donau, erarbeitet sich einen Vorsprung, dem er kaum gewachsen scheint, trotz seiner jugendlichen Kraft und all der Aufputschmittel. Gleich einer tanzenden Lassoschlinge umfängt und umrundet ihn sein Vorsprung, öffnet vexierende Löcher zu Ewigkeit und Verdammnis. Durchschlupflöcher. Durch die Gorrh schlüpft, Teile seiner selbst vergessend, als sei die Welt ein überreich gesegnetes Ersatzteillager. Gorrhs dynamischer Lauf geht über in Schliddern, Gleiten, Davondriften, sein Vorsprung hat ihn von hinten überholt, sie stürmen jetzt im Gleichschritt, Brust an Brust. Wohin das alles führen soll? Gorrh denkt nichtmal drüber nach, das Ende ist ohnehin gesetzt, diese Überzeugung ist in Gorrh gewachsen, hat ihn überwuchert, gewissermaßen. Gorrh als Rosenstock, als rennender, brennender Rosenstock auf dem Pilgertriathlon „Fluß ohne Ufer“, rund um Kleve, Ufer ohne Fluß, denkt Gorrh, sich schneuzend.

In Germany before the war

Randy Newmans Song “In Germany before the war” ist inspiriert von Peter Kürten, der sich als Serienmörder den Beinamen “Vampir von Düsseldorf” verdiente, indem er Schwanenblut (nebst Menschen zählten auch Tiere zu seinen Opfern) getrunken haben soll. Newman nimmt es in seinem Song mit den historischen Fakten nicht genau. Die Zeile “I`m looking at the river / but I`m thinking of the sea” ist dabei in all ihrer Schlichtheit eine der ergreifendsten und hinterrücks komplexesten, die bis dato über den Rhein bzw seine Anwohner geschrieben wurden.

Weihnachtsrhein mit Wildgänsen

so weit im Hintergrund, daß sie bestenfalls
erahnbar sind. schwaches Zittern allgemeiner
Heiligkeit. untern Uferpappeln glucksts: na? paar
uralte Grüße auf Brachsisch. ein einsamer Pkw-
Reifen, flußmittig, wippend, durch den die Gründler
(und ähnliche Wesen) den Himmel für umsonst
betrachten. buckelnder Strom, flacht aus, flacht an
heftig ins Wolkenkonstrukt geschleuderte Möwen
drehen bei, stoppen die irren Jagdmanöver. wohl
so ne Art Universalpoesie: süße kleine Mädchen
dick eingepackt, werfen Kiesel ins Wasser. die
Menge der Blicke bestimmt den Standort: inmitten
angeschwemmter Delikatess-Remoulade, immer
wieder auch Zitrusfrüchte, linke Schuhe, Chicoree
das rheinblaue Auge, das auf uns schaut: aus den
Stirnen schrundiger Männlein aus flachen Kieseln
aus unbekannten Himmelsrichtungen schwellen
stumme Schallwellen, zerfallen, versickern um ihre
variablen Mitten herum. Kickboxer beim Training
unter der Brücke ein neues Graffito: es ist Liebe
Licht und Temperatur stimmen schon halb

dezemberrhein

rostig: von osten schwirren kalte sonnenspots
uebern tiefgelegten rhein. wildgaense grasen
schnattern, knattern. moewenkolonien schrein
als waern sie um alles betrogen: lungenfluegel

in der milch des uferglasts. & praehistorische
wunschabdruecke im bereiften trockenmorast
kaelte sickert ein & macht sich breit. dat is
keine arbeit, dat is knast!
die ham in der fabrik

schon locker ihre vierzig winter aufm buckel
(wievielmal gruenkohl mit mettwurst das dann
macht?) nach der knappen pause geht’s sofort

zurueck ans band. genau so ein band, faellt ihr
ploetzlich ein, dat seh ich getz eers mit mein
achtnfuffzich
, genau so ein band ist der rhein

Loreley (3)

schneekugel-loreley_2

Anstatt auf einer Harfe spielt diese Version der Loreley mit ihren rotgoldnen (kupferfarbnen?) Haarwusten. Der nach ihr benannte Felsen wurde rheinmittig versenkt, die Kuppe ragt dramatisch aus dem Strom, der auf den Betrachter zu in Form einer mit Zuckerwatte ausgeschlagenen Hufeisenbucht endet. Ein Frontbodengebläse wirrt die in der Mythen-Biosfäre mit eingeschlossenen Styroporkrümel: deren Anblick genügt, die hübsche Zauberin zu frösteln.