Mit der Schwarzwaldbahn von Offenburg nach Konstanz

Von Rhein zu Rhein solls gehen, durch flußgebende Spannungsfelder. Gschwind noch e Fleischkäsweckle beim Offeburger Bahnhofsbäcker, wo mehr en zugige Verschlag halber hauße ausm Bahnhof isch. Vom Bahnsteig aus läßt sich gut beobachten wie das Schienenkraut die Gleise entlangwächst. Offenburg ist unter Zugreisenden bekannt für seine Anschluß-Wartezeiten. Der Bahnsteig ansonsten völlig leer, bis auf uns und einen Schwarzen, die wir auf derselben Sitzbank an unsern Fleischbrötchen kauen. Kaum haben wir uns fünf Meter von der Bank entfernt, um Serviettöses zu entsorgen, erschallt mit Wucht eine Lautsprecherdurchsage: „Ein wichtiger Hinweis der Bahn: achten Sie auf Taschendiebe und lassen Sie Ihr Gepäck nicht unbeaufsichtigt stehen!“ Welcher wichtige Hinweis würde wohl erschallen, wenn der Schwarze sich nun unser Gepäck schnappte und damit die Biege machte? „Das war prompt“, sagen wir in Richtung des jungen Mannes, „wir beide müssen gut aufpassen, was wir hier tun, wir werden videoüberwacht“. „Noi, die hen koi Kameras, nur Ferngläser, woisch, die moine mich, ich bin z`schwarz.“ Nur noch eine halbe Stunde und der Anschlußzug dürfte auftauchen. Allmählich füllt sich der Bahnsteig mit Frierenden. Ein freundlicher Rentner von der Bahnhofsmission begrüßt sie alle per Handschlag und mit aufmunternden Worten. Falls jemand zusammenbreche, werde er sich kümmern – und falls innert der nächsten beiden Stunden kein Zug käme, heißen Tee bringen. Der Zug kommt auf die Minute pünktlich. Offenburg zu verlassen, ist immer wieder schön. Sogleich meldet sich der charismatisch dialekttreue Zugbegleiter mit expressiven, diesmal reimfreien Erklärungen. Draußen Möschle Behälterbau (ja, b`halte denn die B`hälter au?) und Schulschluß in Gengenbach mit seinem kinzigenen „Flössermuseum“ (Dreisam, Kinzig, Murg etc – die hübschen Schwarzwaldaus(fall)flüßchen: wie geschwisterlich sie sich ähneln in ihren rasenbegrünten Eingedeichtheiten!). Ha! Schon tauchen sie auf: hübsche, nitzefitzelige, wie für Sagenländer erdachte Hügelchen und spürbar wirkt der Sog des Rhein-Donau-Neckar-Kraftfelds. Außerplanmäßige Stops der Panoramabahn: Tribute an heute selten gewordene Fänomene: aus den Hügeln über Biberach/Baden etwa steigt, vom Zugbegleiter plastisch moderiert, echter Köhlerhaufenrauch. Zudem muß der Lokführer auf dieser Strecke die Bahnübergänge eigenhändig sichern. Haslach („in Haslach gräbt man Silbererz“) heute: stellt man dort Präzisionsdrehteile her und das Zentrum besteht aus drei Supermarkthallen: ALDI, REWE, edeka.


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