Niederrheinische Kulturpflanze

Mitte September, just als wir nach Material zu Joseph Beuys` Rheinquerung mit dem Einbaum suchen, widmet Christof Siemes, selbst niederrheinischer Herkunft, in der Zeit dem „Jahrhundertkünstler“ einen Retrospektivartikel, der Beuys als typisch niederrheinisches Heimatgewächs zeichnet. Die Recherchestrategie erinnert uns an eine unserer eigenen: Aufsuchen von Tatorten, Abgleich ihrer historischen und heutigen Nutzung, vulgo: Wirklichkeit. Die Kunsttatorte findet der Autor meist umfunktioniert, andere tun noch ihre beuysschen Schnaufer: „Loch entstand 1981 für die Ausstellung Schwarz: Beuys trieb einfach ein rußiges Ofenrohr durch die brutalistische Waschbetonwand der (Düsseldorfer; Anm. Rheinsein) Kunsthalle. Außen reckt es sich keck zum Himmel und verwandelt das gesichtslose Monstrum in ein Hexenhäuschen. Folgt man dieser Assoziation (und Niederrheiner wie Beuys denken fortwährend in Assoziationen), brodelt im Innern die Alchemistenküche der Kunst, hier wird das Nachdenken über Sinn und Unsinn des Lochs zur sozialen Plastik aufgekocht. Dabei ist in der Halle nichts als das andere Ende des Rohrs zu sehen, eine nachtdunkle Öffnung von 20 Zentimeter Durchmesser knapp über Kopfhöhe, eine Mischung aus Abgrund und Ausguck, ein Symbol des Alls und des Nichts, das die ganzen Ausstellungshalle in Bann schlägt.“ An einer Stelle wird das Ohme Jupp erwähnt, vor dessen Tür, doch einige Schritte vom Ufer entfernt, besagter Einbaum nach erfolgreicher Überfahrt im Oktober 1973 geparkt wurde. Mehr Raum mißt der Artikel der Rheinquerung nicht bei. Dafür fördert er noch ein schönes, wenngleich diskussionswürdiges Zitat Franz Joseph van der Grintens über das Wesen des Niederrhein(er)s zutage: „Man sieht nach allen Seiten über den Horizont hinaus. Das Denken wird durch diese Landschaft sehr begünstigt.“


Stichworte:
 
 
 

Kommentar abgeben: