Beuys überquert den Rhein

„Schwimmweste, Erste-Hilfe-Kenntnisse, “Schöpfgerät und Fangeleine”: So lauteten einige der Bedingungen, unter denen das Wasserschifffahrtsamt Duisburg 1973 dem Antrag des Künstlers Anatol auf eine “Demonstrations- und Übersetzfahrt mit Kleinfahrzeug” stattgab. Im Oktober des Jahres setzte Anatol seinen Lehrer Joseph Beuys im Einbaum “Blaues Wunder” über den Rhein – eine symbolische Aktion, die als Rückführung des Professors in Amt und Würden gedacht war. Im Vorjahr war Beuys von der Kunstakademie Düsseldorf fristlos entlassen worden.“
(Antje Lorscheider im Tagesspiegel vom 27. September 2007)

„Anatol hatte Beuys (…) am 20. Oktober 1973 ein Denkmal gesetzt, als er den fristlos aus der Kunstakademie entlassenen Professor im Einbaum über den Rhein fuhr. „Ich wollte ihn in die Altstadt heimholen. In Höhe des „Blauen Hauses“ am Kaiser-Wilhelm-Ring ging das zwölf Meter lange Pappelboot ins Wasser. Vorn saß Beuys, dahinter ich, dann kamen der Beuys-Schüler Don Lenzen, danach Bäckermeister Addi Wecke, der über den Bottnischen Meerbusen gepaddelt war. Eigentlich sollte der Beuys-Kopf an der Oberkasseler Abfahrtsstelle stehen, in Höhe des Kirmesplatzes. Bei Hochwasser wäre er im Wasser gewesen und bei niedrigem Wasser wieder aufgetaucht. Die Strombehörde fand das viel zu gefährlich für die Schiffe.“”
(Helga Meister in der Westdeutschen Zeitung vom 14. April 2009 über den Bildhauer Anatol, Beuys` (Anti-)Charon, der Jahre nach besagter Überfahrt nach wiederum langem politisch-behördlichen Hin und Her im Sommer 2009 seinen Beuyskopf am Rhein installiert hat.)

Es gibt ein berühmtes Foto von des Einbaums Ankunft am rechten Rheinufer, begleitet von zwei Froschmännern und einem Motorboot. Beuys streckt dabei den rechten Arm aus, wohl um sein Begrüßungskommitee zu grüßen. Gleichfalls berühmt ist die Geschichte seiner Entlassung letzten Endes durch Johannes Rau, einem kunstsinnigen Politiker, angetrieben durch kunstsinnige Kunstprofessoren der Düsseldorfer Akademie.


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