Die Stahltür

LGT-Geheimtür

Den Wellenbewegungen des Geldflußes nachzuspüren, begeben wir uns in die Vaduzer Gemeindetiefgarage, auf deren zweiter Ebene immer noch jene berühmte „geheime“, doch nicht versteckte, vielmehr mit dem Auto befahrbare Stahltür vorzufinden ist, von der Heinrich Kieber erst der Welt erzählte, durch die ua den deutschen Staat so viele Gelder um-, um nicht zu sagen: demselben ent- und zielstrebig der höchstfürstlichen liechtensteinischen LGT-Group zuflossen, wo sie, hinter dicken Tresormauern, per pervertierter Stiftungsturbinen vertreuhandet, verquirlt und verzumwinkelt, zu unkenntlicher Energie transponiert wurden, so unkenntlich gestaltet wurden jedenfalls, daß sie ua dem deutschen Volke nachher fehlten wie sonstewas, daß dieses Volk, metaforisch gesprochen, wo steuergeldgenährte Struktur hätte erblickt werden können, sogar sollen, bloß in eine blasse, aus deutscher Sicht rheinab führende Röhre schaute… – und um nicht nur den Wellenbewegungen des Geldflußes nachzuspüren, sondern auch ein Gefühl für den treudeutschen Röhrenblick gemeinen Volkes zu gewinnen, betrachten wir nun, wiederum betrachtet von der Vaduzer Gemeindepolizei, das stählerne Portal und fühlen uns dabei ganz unvermittelt blitzgeschwinde wie eine Figur, die Kafka vor langer Zeit bereits entworfen haben dürfte, eine Figur nämlich, die Einlaß (zu was auch immer, vermutlich zu so etwas wie ihrem eigenen lächerlichen Begriff „der Wahrheit“) verlangt, Einlaß, der ihr natürlich nie gewährt werden wird. Doch hebeln wir sogleich unsere kleinmütigen europäischen Denkweisen aus, um lotussitzend vor der abweisenden Türe, die ohnehin längst nicht mehr in den befahrbaren Tresor der LGT führt, und deren „den gemeinen Mann“ so blockierender Charakter die Neonbeleuchtung der Tiefgarage noch eindrücklich verstärkt, zu meditieren: und tatsächlich lösen sich aus dem unhörbaren Tönen und Tosen solch feinstofflicher Hirnvorgänge atomähnliche Partikeln, die sich zu wesentlichen Bildern verbinden, zu Flußdiagrammen, die darzustellen scheinen, daß vermeintlich sicher abgespeicherte Vergangenheiten (sogenannte „Perfekte“) frontal aus der Lücke zwischen Zukunft und Gegenwart zurückkehren und mit nicht geringer, reichlich Schaum aufwirbelnder Wucht einherstürzen können, fast jederzeit.


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