Zum und am Rheinfall

Anreise über Orte wie Landschlacht, Gottlieben, Paradies, Mammern: sprechende Namen des spalierobstelnden oder obstisch-vorobstlerisch spalierstehenden Thurgaus. Der Rhein, aus dem Bodensee auftauchend, verneigt sich als eingeuferter Fluß (eine kurze Passage, die Seerhein genannt wird) und taucht sogleich wieder in den Untersee, bzw schnorchelt dort, um das silbrige Schuppenglitzern der berühmten Bodenseefelchen zu studieren, bzw umfängt der Untersee nochmals den Rhein wie ein leichter Umhang mit Segelbootmotiven auf changierendem Blau. See und Ufer wirken so sauber, so poliert, das alles hat etwas von: „wenn wir die Raffaelo-Werbung aus Kostengründen doch in Deutschland drehen müssen, dann hier in der Schweiz“. Schon bald entseet sich der Rhein, rheint sich ein, sein adlig-weiches Blau kippt ins Flaschengrüne, das ist Rhine as Rhine can, das zieht sich schon zusammen für den folgenden Sturz, da braut sich was, klart was vor, windet sich was im eigenen Panorama, konzentriert sich auf seine erste Massentouristifizierung, mit novizischer Gelassenheit und Nervosität. Die Landschaft zwischen Bodensee, Stein am Rhein und den Fällen: hübsch verspachtelte Vakui zwischen vielbesungenen Stätten. Am Rheinfall (nachdem der Wegweiser auf dem Bahnsteig von Schloß Laufen zunächst zum Hauptwegweiser wies, der auf diverse Subwegweiser aufmerksam machte, die „individuelle Weggestaltungen“ wiesen) schließlich fand sich ein sechsrohriger Geräuschumwandler, für den es eigentlich auch sechs Ohren am Haupte bräuchte, ihn effizient zu nutzen, dessen einzelne Rohre das Dauerrauschen der O-Natur in hellere Klänge verwandeln: Synapsenspüler, akustische Pustefixe – und wären die Rohre einander verschlungen, ineinanderlaufend und nicht nur entlang einer Schiene verstellbar, gäb dies Gerät garantiert einen prima Psychohelm ab, das Rauschrepertoire jeweiliger Umwelten zu beugen.


Stichworte:
 
 
 

Kommentar abgeben: