Ansichtskarten vom Rheinfall (4)

Seit unserem letzten Besuch vor rund einem Jahr hat sich am Rheinfall einiges verändert. Kasse und Andenkenladen sind aus Schloß Laufen in ein neues Info-Gastro-Zentrum auf den nach wie vor beherrschenden Besucherparkplatz gezogen, Hinterglas-Ticketverkäufer erläutern per Mikro in mehreren Sprachen die Gegebenheiten, zB den separaten Erwerb diverser Bootstickets (zur Wahl steht mindestens ein halbes Dutzend Rund- und Überfahrten), das Gelände verlassen zu wollen zwingt geradezu zur Nutzung des neuen Panoramalifts, der Eintrittspreis hat sich verfünffacht. Auch das Besucheraufkommen scheint sich stet zu steigern und mit dem „chinesisch-indischen Potential“ von rund zwei Milliarden künftigen Rheinfalltouristen in der Rückhand, ließe sich von Betreiberseite der finanziellen Ausbeutung dieses kleinen Weltwunders gelassen entgegensehen, wären da nicht die beunruhigenden Gletscherschmelze- und Wasserstandsmeldungen. Somit hatten wir noch Glück, die Fälle schossen sommeruntypisch wuchtig über ihre geschliffnen Felskanten, das Wasser bäumte, räumte und schäumte wie eh und je und wir konnten sogar eine digitale Postkarte erwerben, der neueste Clou für touristische Souvenirjäger, vermutlich von den Mediaexperten eines Think Tanks mit ein paar coolen Zeilen versehen:

„Ausschnittsweiser Fortgang der Dinge als Schaum und Rausch. Zwar läßt sich weder der Plastizität des Wallens, noch der Eleganz des Sprühnymfentanzes mit einer schnellen Aufnahme genüge tun, doch mag Sie diese 2d-animierte Rheinfall-Postkarte an ihrer kleinen, im großen digitalen Postkartenständer zugewiesenen Stelle an Elementares gemahnen: den Stoff, aus dem wir gemacht sind.“


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