Rheinische Tierwelt (7)

mauereidachs

Zunächst wirkt es, als schössen ihre Schlangenköpfe, den Verhaltenskodex der Röhrenaale imitierend, aus dem alpinen Fels hervor. Dem entgegen stehen akustische Erwägungen: ihr holistisches Gekratze und das mehrfach gebrochene Echo ihres spitzen, beidendigen Fauchens lassen den Schluß zu, daß sie sich komplett auf der Felsoberfläche bewegen. Am Schwanz sind sie genauso geformt und gezeichnet wie am Schädel, auch die (selten genug überhaupt zu erblickende) Fußstellung läßt nicht erkennen, wohin ihr Wille und Sehnen gerichtet ist: bis heute forscht die Herpetologie, ob der Eidachs ein rheinzu- oder rheinabgewandtes Tier vorstellt. Unbestritten jedenfalls ist sein Vorkommen in bis zu weniger als fünf Metern Luftlinie zur Uferkante.


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Ein Kommentar zu “Rheinische Tierwelt (7)”

  1. Rheinischer Hausfreund
    14. Oktober 2010 um 13:14

    Es gibt auch zweierlei Eidechsen im Wasser, nur nennt man sie anders, und diese sind zum Schwimmen abgerichtet. Selbst auf dem Grund der klaren Brunnenquellen findet man sie oft, und darf sich deswegen vor dem Wasser nicht scheuen. Auch diese sind nicht giftig und teilen dem Wasser keine Unreinigkeit mit. Vielmehr loben es viele Brunnenmeister als ein gutes Zeichen. Solch ein Tierlein in seiner verschlossenen Brunnenstube hat ein geheimliches Leben und Wesen, sieht nie die Sonne auf- oder untergehen, erfährt nichts davon, daß der Prinz von Brasilien nach Amerika ausgewandert ist, und daß die englischen Waren auf dem festen Land verboten sind, weiß nicht, ob’s noch mehr solche Brunnenstuben in der Welt gibt, oder ob die seinige die einzige ist, und ist doch in seinem nassen Element des Lebens froh, und hat keine Klage und keine Langeweile.

    Wer sich aber mit Recht vor den Eidechsen fürchten oder eine Heldentat durch die Erlegung derselben vollziehen will, der muß nach Afrika oder Asien oder Amerika gehen.
    Das fürchterliche Krokodill ist nichts anders als eine 20 bis 50 Fuß lange Eidechse. Davor muß jedermann Respekt haben. Oben braun oder schwarzgefleckt, unten weißlichgelb. Durch die schuppige Rückenhaut geht kein Flintenschuß; am Bauch ist sie weich. In jedem Kiefer des großen Rachens stehen 50 scharfe Zähne. Der Schwanz beträgt mehr als die Hälfte von der ganzen Länge. Damit wirft es im Wasser kleine Schiffe um, und tötet einen Menschen mit einem Schlag. Es lebt im Wasser, z. B. im Nilfluß in Ägypten, und geht ans Land, frißt Fische und andere Tiere, Buben und Mägdlein, auch erwachsene Ägypter. Schnell wie ein Pfeil geht es in gerader Linie auf seinen Raub, kann sich aber nur langsam umdrehen. Mit einem glücklichen Seitensprung ist man außer Gefahr. Das Weibchen legt 100 häutige Eier, so groß wie die Gänseeier, und verscharrt sie in den Sand. Die Sonnenwärme brütet sie aus. Die meisten werden aber, ehe es dazu kommt, von einer ägyptischen Ratze gefressen. Auch von Menschen werden sie aufgesucht und zerstört oder gegessen. Wohl bekomm’s!

    Bei allem dem muß so viel wahr bleiben, daß es in Asien und andern Weltteilen Eidechsen von ein- bis anderthalb Fuß Länge gibt, die auf Bäumen leben, wie bei uns der Laubfrosch, und durch Hülfe von häutigen Auswüchsen auf beiden Seiten große Sprünge in der Luft machen, und von einem Baum auf den andern schießen können. Einige haben dabei nur zwei, andere vier Füße, sind unschädlich, und leben wie andere Eidechsen von Insekten. Andere Basilisken und Drachen gibt es in Asien nicht, außer unter den Menschen, wenn einer den andern gern mit dem Blick vergiften oder durchbohren möchte, und giftige Verleumdungen und Scheltworte über ihn ausgießt, wie man denn dergleichen auch schon in Europa und am Rhein will viele gesehen haben.

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