In den Pilzen

Cyclamatische Aromen wehen, verwehen, weben uftige (duftige/luftige) Bänder durch Klee, Moos, Kraut, Laub, betören und betäuben Tierchen, namenlose, nam- und unglaubhafte Tierchen mit abgeknickten Beinen, Fühlern, Flügeln, wühlende Tierchen, prüfende, täppelnde, das Tagwerk mehr oder minder mühsam absolvierende, hangan, hangab, in Unterholzdschungeln, überlebende oder eben nicht überlebende, gar rottende Tierchen, cyclamenhauchbalsamiert irren ihre Gedanken durch die Schönheit des Walds, die flüchtigen Nebel, lauerndes Strauchwerk, mit unendlich tiefen Zügen saugen Bergschnecken den fallenden Himmelswein von mineralischen Strukturen, so breit und weich, gottgeflanscht, auf diesen Schmier gebaut: ihr schwankes Haus, gut ausgewuchtet, dem Anprall von Schnäbeln gewachsen in einer Schicht aus Suffizienz und plastifizierter Psychodelik, stanzende Schnäbel die sich in Feuchtausscheidungen lösen, in himmels- und waldfarbenem Schleim, im Plätschern der Rüfe, dem Zeichensystem ihrer Rinnsale: ho!ho!-Geschreie schratähnlicher Figuren, die sich wegducken im Farn, Roman Bünzel ist das, wahrscheinlich, es heißt, er lebe dort, hätte diese Täuschungsmanöver, die Fähigkeit sich, zellteilerisch vermutlich, vorübergehend zu multiplizieren, erlernt, im Traum, von den alten Zwergen, die ihn einst quälten nachts, mit denen er sich dann aber verbündet habe, man wisse nicht wie, es bereite ihm jedenfalls Freude, wo er doch an sonst nichts Freude fände, im frühherbstlichen Farn hockend Spaziergänger zu foppen. Eine Lichtung öffnet den Blick aufs Tal, die profetisch quellende Rauchsäule der Müllverbrennungsanlage, den paillettenartig dahinklimpernden Rhein. Es geht in die Speisepilze, der Ruf erging von weit oben, von I., dessen Madonna diegleiche Nase trägt, wie sie in unserer Familie verbreitet ist, väterlicherseits, und, glücklicherweise, ausschließlich an die männlichen Nachkommen weitergegeben wird. Vielleicht wegen der Nasengleiche, vielleicht aus allgemeiner Barmherzigkeit: wies uns die Madonna auf die Spur zu dieser Jahreszeit hier durchziehender Herrenpilze und Eierschwämme: solcher in freier Natur erstmals angesichtig, stiegen mir unweigerlich Konversionsgedanken zu Gemüt: sollte ich Katholik werden? Die Madonna Protestantin? Am Ende täte eine Muttergottes den Evangelen sehr gut, die fehlte uns noch, die brächte ein bißchen vom verlorenen Wunderglauben zurück, dachte ich, von Fröschen und Höhgumpern umsprungen, mitten im Knacken, Tschilpen, Tropfen: der Regen fiel plötzlich schräg, um himmlischen Kutschen als Rutsche zu dienen, drinnen mannigfalte, fast durchsichtige Leuchtwesen, die jubelnd ins Nadelgehölz krachten, die Pilze schwollen an und erreichten fantastische Größen, der Wald ging aus sich heraus, verschenkte sich, wir schöpften Wildbäche und gossen sie, die von Geblüm so reich gekräutert warn, in Dosen, schon unsre Großmütter wußten: das gibt die besten Soßen. Dann Abstieg durch die Rüfe, wir ließen uns runterspülen, das war eine Wanderung wie ein Tauchgang durch Wasser und Kies und andere Zeiten, durch Klar- und Reinheiten, und als wir nicht weiterwußten, purzelten die Pilze aus dem Körbchen, und kullerten (wenngleich mit ein wenig Schlagseite) und wiesen so den Weg zurück bis genau an die Haustür.


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