Rhenus tropicus

Der Rhein sei wärmer als das Mittelmeer, befand und titelte das Kölner Boulevardblatt EXPRESS vor wenigen Tagen in seiner Printausgabe. Das nötige Kleingeld nicht zur Hand, ließen wir die Sensationsnachricht im Sichtrahmen ihres roten Straßenkastens weitertiteln, wohl ahnend, daß im zugehörigen Artikel über Meßstellen und -methoden nicht allzu präzise Angaben zu finden sein würden. Doch eine schnelle Internetrecherche entzog unserer Ahnung einige Quadratzentimeter Bodens. Die messenden Expressreporter legitimierten ihre Angaben mit einer „30 Meter vom Ufer entfernten Meßstelle „in der fließenden Welle“ – wie vom Umwelt-Landesamt empfohlen“: 26,5°C bei Rodenkirchen, im Gegensatz zu mallorquinischen, allerdings nicht selbst gemessenen (vielleicht jedoch selbst manipulierten?) Meerestemperaturen von lediglich 23°C bis 26°C. Falls die Reporter den hauseigenen Wettermeldungen (die immer eine Spur optimistischer ausfallen, als jene des vom selben Verlagshaus verantworteten, „seriöseren“ Kölner Stadt-Anzeigers) getraut haben mögen (ohne sie zuvor zu manipulieren) und falls bei den Messungen alles mit rechten Dingen zugegangen sein sollte, schoß uns durch den Schädel bis ins detaillierte Kraut, dürften künftige Schlagzeilen wohl tropisch-exotischen Neozoenwelten im Rhein und seinen Nebenflüssen gelten, aus denen ja nicht selten schon Piranhas gezogen wurden.


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