Rheinische Tierwelt (2)

Innert einer Woche zweimal die Kunde von „regnenden Weidenbäumen“, einem mir bis dato unbekannten Fänomen: aus den oberrheinischen Auen in Form eines Augenzeugenberichts sowie aus dem Riet bei Nendeln in Gerüchtform (ein entsprechender Annäherungsversuch meiner Informantin in Nendeln fand sein frühes jähes Ende im dortigen Morast). Fehlt die Erstwelt-Erfahrung, schafft die Zweitwelt Ersatz:

„Der Schaumwurm (Gäschtwurm): besonders häufig auf Weidenbäumen, denen die Larve im Frühjahr den Saft aussaugt, und ihn in Gestalt eines Schaums (des so genannten Kuckucksspeichels), unter welchem sie oft versteckt ist, wieder von sich gibt. Daher auch die Sage von regnenden Weiden.“ (Zitiert nach: Johann Friedrich Blumenbach – Handbuch der Naturgeschichte 1821)

Obige Stelle findet sich ganz ähnlich bei Friedrich Philipp Wilmsen in seinem „Handbuch der Naturgeschichte für die Jugend und ihre Lehrer“, ebenfalls aus dem Jahr 1821, dort jedoch wechselt der sagenhafte Wurm in die moderne Nomenklatur: „(…) Ferner die Schaumzikade, welche auf Gräsern, und besonders auf Weiden, den Saft einzieht, und ihn als Schaum wieder von sich giebt; er wird Kukuksspeichel genannt, und hat, da er bisweilen in Tropfen herunterfällt, Gelegenheit zu der Sage von regnenden Weiden gegeben.“

Auf Wikipedia klingt dies heute, im Artikel über Schaumzikaden, wie folgt: „Neben der kennzeichnenden Eigenschaft der Schaumnester, in denen sich die Larven der Schaumzikaden entwickeln, gibt es eine Reihe weiterer Besonderheiten in dieser Tiergruppe. Manchmal treten die durch die Larven der Bunten und der Braunen Weidenschaumzikade (Aphrophora pectoralis, A. salicina) erzeugten Schaumflocken in Weiden (Salix) so groß und zahlreich auf, dass Flüssigkeit aus ihnen heraustropft und es aus dem Baum gewissermaßen regnet. Landläufig spricht man dann von „tränenden Weiden“.“


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