Monatsarchiv für Juni 2010

 
 

Randnotiz (4)

Rheinsein wird nun auch vom Deutschen Literaturarchiv Marbach archiviert.

Japanische Rheinbetrachtungen (5)

jap_craussAuch diese Rheinbetrachtung ist, wahrscheinlich, keine authentisch japanische. Die Schriftzeichen dürften in etwa “Farbbildband Rhein” bedeuten. Dengleichen Bildband gibt es allerdings – wie ein Foto, das Crauss. geschickt hat (Rheinsein dankt!), von dem hier lediglich ein Ausschnitt gewählt wurde, zu beweisen imstand wohl wäre -  in mindestens drei weiteren Sprachen betitelt. Erste Zweifel kommen auf: gibt es überhaupt den gefragten/erhofften genuin japanischen Rheinblick? Oder ist der Rheinblick-an-sich heuer vielmehr ein internationalisierter/internationalistisch institutionalisierter, und als solcher gänzlich frei von lokalisierbaren Sonderlichkeiten?

Was bei den gletschern verstanden

Kleiner Exkurs mit Sebastian Münster zum mormelthierbewohnten Rhône-Gletscher und auf den Furkapaß mit unverkennbaren Analogien zum Rheinursprung:

“WJewol die gletscher nitt bergwerck noch metallen seind / seind sie doch gleichförmig in der reinigkeit den lautern Cristalle / werden zum mherern theil gefunden gegen mittag auff den höchsten vn wilden berge / die man nent schneeberg / ist aber nit schnee noch yß in seiner natur eigentlich / ist vil mere ein verherter eyß / dz auff der höhe der bergen nimmer zerschmiltzt / sunder vo zwey oder drei tausent jar her do gelegen ist / vn gar nahe zu eim stein worden. Vnd so ettwan ein stuck herab falt in ein thal / bleibt es lange zeit ligen ehe es zu wasser resoluiert wirt / on angesehen die grossen hitz des sumers od der sonnen glantz. Jst auch sein eigenschafft dz er sich selber purgiert vnd reiniget / das in jm kein erd / sand / stein / groß noch klein / auch kein andere matery bleibt / er duldet der ding keins / biß das er als rein wirt wie ein cristall. Jst an vil enden ongrüntlich tieff / macht auch zum offter mal grosse schrunden vnd spält / das gar sorglich ist in pässen / vn auch den jägern / besunders so die spält mit schnee bedeckt werde. An vil ende seind die vssgerissen schrunden drey oder vier hundert claffter tieff / ettlich ongrüntlich. So einer zu sumer zeiten anfahe spalten / ertönt darvo so ein grausams krache / gleich als wölt das erdtrich brechen. Die jäger hencken dz fleisch vnnd wilprät darein zu summer zeiten / darmit es darin gefrier / vnd wirt also darin behalten biß es jne füglich ist bey güter weyl zu verkauffen. Es braucht auch dz ladtvolck den gletscher in tödtlichen kranckheiten für artzney / nemlich darmit zustellen disenteria / dz ist / den rote schaden der von hitz kompt / vnd zu leschen acutas febres / das seind hitzige kranckheiten. Auch sagen sie das dz gletscherwasser zu vil dingenn gesundt sei. Es ist zu summer zeiten grimm kalt / gantz trüb vnd graw / gleich als were es mit äschen übersätet / vnd kompt allenthalben auß den thälern gelauffen mitt grossen becken. An ettlichen orten schüßt es oben herab von den hohen felsen / besunder zwüschen S. Moritzen vnd vnd Martinacht falt gar hoch ab einem felsen ein groß wasser / das ist grausam anzusehen. Es ist so eiß kalt ding vmb den gletscher / das man ein kanten mitt warmem wein mit eim stuck eins eyes gros grimm kalt machenn mag. Jch hab anno 1546. am vierdten tag des Augsts ein gesehen bey der Furcke / der ist bey zweier oder dreyer spieß dick / eines armbrust schutzes breit / der lenge mocht ich kein end über sich gesehen / ist fürwar ein grausamschen / es was ein stuck eines hauses groß daruon gefallen / das macht den anblick noch grausamer / es gieng auch ein bach mit wasser vnnd yß darauß / das ich mit meinem roß on ein brucken nit hinüber kommen mocht / Vn diß wasser soll der anfang sein des Roddans. Wiewol onfern vonn disem glettscher ein grosser brunnen herfür dringt vff dem berg / den hat man mir gezeigt als ein vrsprung des Roddans. Es lauffen auch allenthalben vonn den bergen wässer in disen ersten flusß / die meren gar bald den Roddan / fallenn mitt jm über berg vnnd felsen mitt eim solichenn rauschenn / das einer kaum mag gehören was sein gesell mitt jm redt / das wäret ab vnnd ab / biß man schier ghen Brig kompt das ein fall über den andern kompt / vnd menchmaldz wasser von hohem fallen in ytel schaum vnd nebel verkert wirt. Gleicher weiß beschicht vff der andren seiten über der Furcken mitt de wasser Rüß / dz sein ersten vrsprung nimpt ab de schnee vnd yß an der Furcken vnd andern noch vil höhern bergen die an die Furcken stossen / hangent. By vispisig deß Roddas vff dem berg grebt man vil Cristalle / es lauffen auch vil Mormelthier do / die lassen die menschen onbeschrauwen nit für ghan. Es ist vff der Furcken gar kalt / darumb auch ewiger schnee vnd yß darbey g fanden werden.”

Von den fliessenden wässern Teütsches lands.

ES ist kein land in dem gantzen Europa / darin man so vil vnd so gros wässer findt als in Germania oder Teütschland. Under denen ist das erst vn das gröst die Tonaw / die im Schwabeland oder im Schwartzwald im dorff Doneschingen entspringt / vnnd laufft gegen Orient in das Pontisch möre / vnd schöpfft in sich sechtzig andere große vn schiffreiche wässer / ehe sie in das mör lanfft. Die alten nennen den berg darauß sie entspringt Abnobam / wie wol mer dan auff ein halbe meyl kein berg bey jrem vrsprug ist / sunder sie quelt mit einem grossen fluß auß einem bühel / der über zwo oder drey closster hoch nit ist / wie jch das eigentliche vnd wol besehen hab / vnd ein besunder tafel darüber gemacht. Es ist bey den alten gelerten männern ein gros begird gewesen den vrsprung dises wassers zu sehen / darumb auch ettlich von Rom härauß zogen / domit sie gesehen möchten seinen vrsprüngliche brunnen. Wir lesen auch von Tiberio / do er ein mal komme was zu dem Bodensee / nam er für sich ein tagreiß zu besichtigen den anfang der Tonaw.
Das ander groß wasser ist der Rhein / vnnd der entspringt hinder Chur im höchsten Schweytzer gebirg / Strabo nent den selbigen berg Adulam / vnd hat der Rhein daselbst zwen vrsprüng / vnd werden auch beide der Rhein genant / lauffen zusammen ein Teütsch meil ob Chur. Einer heißt der vorder vn der ander der hinder Rhein. Von vrsprung des vordern Rheins ist es ongeferlich drei stund fußgangs biß an vrsprung des Rhodans rechter distantz vnd nit weiter / wo es vor den obersten bergspitzen der richte nach zu wandlen möglich were. Do entzwischen in gerader lini ligt der berg Gotthart / vor zeite Sume Alpes / das ist das höchst Alp gebirg genant / darin entspringt Ticinus / laufft gegen mittag in Italiam. An der gegen seite die Rüß / laufft durch Vry in Lucerner see / vnd darauß gegen mitternacht in Rhein. Aber der obgenant Rhodan laufft anfangs gegen vndergag / vnd der vorder Rhein von seinem vrsprug biß ghen Chur gegen auffgang. Vnd also geben dies flüß alle vier bey jrem vrsprung auß fliessende / ein creütz / deß halb nit onbillich die höhe des gebirgs doselbst / Summe alpes genant werden. Der Rhein laufft anfangs biß ghen Chur / demnach wendt er sich gegen mitnacht / vn macht zwen grosse seen / der erst heißt der Brigantzer oder Costentzer oder Bodensee. Etlich meinen das er vorzeite Lemannus hab geheissen / aber mögen das nit gnügsam probieren. Diser see geüßt wider auß jm bey der statt Costentz den Rhein / vn nit fern von der statt theilt sich der Rhein in ein andern see / den die alten haben genent lacum Venetum / aber ietzundt nent man jn den Undersee oder den Cellersee / vnd do krümpt sich der Rhein gegen vndergang / vnd behalt auch den lauff biß ghen Basel / do kert er sich gegen mitnacht / etc. Das dritt wasser ist der Necker vn des vrsprung ist nit über drey oder vier stund fußgangs von dem anfang der Tonaw. Er wirt auch zimlich gros / ehe er in den Rhein kompt / durch andere vil wässer / die allenthalben von dem Schwartzwald daryn rinen / vnder wölchen die fürnempste seind die Entzg / die von Pfortzen härab kompt / der Cochar vnd die Jagt / die von Elbangen durch Schwaben vnd durch den Otenwald fliessen / vnd bey Wimpffen in Necker fallen. Das vierd schiffreich wasser ist der Mayn / der hinder Bamberg in Voitland entspringt / vnd darnach mit grossen krümmen durch das Francken land dem Rhein zu laufft. Das fünfft ist Amasus die Emß / die druch Frießland laufft / die Weser / die aus Hessen läd durch Brunschweigerland dem mör zu laufft. Das siebend ist Albis die Elb / von die kompt auß Behmer land und laufft durch Meyßen und Sachsen dem mör zu. Das acht Suenus / die Spre. Das neündt Viadus / die Oder. Das zehend Vistula die Wixel. Vnd über dem Rhein Obrinca / das ist die Mosel. On dise schiffreiche wässer / seind sunst onzelich andere wässer im Teütsch land / die jre beywonern nit zu kleinem nutz dienen / als die Nahe bey Creütznach / die Brüsch vnd Jll zu Sraßburg / die Murg in der Marggraueschafft / die Kintzig zu Offenburg / die Ar / die Limmat / vnd Rüsch im Schweytzerland / der Lech bey Augspurg / der vor zeiten die Baiern hat gescheiden von den Alemannern / die Vindelici hiessen. Die Jser bey München vnd Landshut / der Jn von Jnspruck gegen Passaw / item Anisus der Ens / der vor zeiten die Hunen hat gescheide von den Baiern. Gang jch über die Thonaw in das Mortgöw zu dem Fichtelberg / so find ich ein gantzen hauffen wasser die daraus fliessen vn do sein vrsprung nemen / als nemlich die Nab / die Sal / der Eger / vnd die Pegnitz.

(Soweit Sebastian Münster in seiner Cosmographia, hier zitiert nach der Ausgabe von 1550. Die Cosmographia liegt nun digitalisiert vor, in zwei deutschen (davon der hier zitierten, recht lesefreundlichen, der Uni Köln) und einer lateinischen Version.)

Topographia Germaniae: Baden

Ligt in der Mordnaw / oder Ortenaw / welche an einem Gebürg hergehet / vnd den Fluß Kintzig hat. Ist ein kleines / aber an Wein / Korn / vnd Hanff / ein sehr fruchtbares Ländlein. Es ist Baden die Hauptstatt deß Marggraffthumb Baden: Welche sich in der besagten Mordnaw anfahet / vnd gegen Occident an dem Rhein / vnd gegen Orient an dem Schwartzwald endet / wiewol sie sich zum guten Theil hinein in den Schwartzwald ziehet. Es ligt diese Statt in der Höhe / vnnd gar vneben / vnnd hat fast vmb / vnd vmb Berge: So aber von Reben / vnnd Wießwachs / lustig seyn / 5. Meil von Straßburg / vier von Durlach / vnd 1. Meil vom Rhein. Der Nahme kompt jhr von den warmen Bädern allda / welche zu den Kranckheiten / so von kalten Flüssen herkommen / wider den Krampff / sonderlich das Podagra / vnd den bosen Magen / dienen. Der Haupt-Orth / oder Kessel / darauß das Wasser in grosser Menge quillet / ist sonderlich zu sehen. Vnd solches Wasser / so Schwefel / Saltz / vnd Alaun führet / siedheiß. Es seyn sonsten noch eylff Quellen / welche alle hell / vnd eines Geschmacks / aber doch an jhrer würcklichen Hitz vnd Wärme / sehr vngleich seyn. Wird nicht allein in die gemeine Bäder / vnd Brunnenkästen / durch Teuchel vnd Röhren / sondern auch in die Wirts- vnd meiste Häuser / geleytet. Hergegen ist das kalte Wasser / vnd der liebe kühle Wein / desto rarer daselbsten. Vnd wegen solcher Bäder / die entweder M. Aurelius Antoninus, oder Caracalla, die Keyser erfunden / ist dieser Ort sehr alt. Vnd hat es vor diesem vil Badleut da geben: Wie dann die Gartenfrüchte in grosser Menge / vnd sehr gut wachsen: Vnd ein Vberfluß an gesunden Speisen / sonderlich von Fischen / als Grundeln / Forellen / Salmen / vnd Krebs / vnnd allerley Geflügel / zur Schnabelweyd gehörig / da zu finden. Ist der Zeit der Römisch-Catholischen Religion / vnd ligen in der StattKirchen etliche Marggrafen von Baden. Das Fürstliche Schloß / oder Residentz / ligt noch höher / als die Statt: Vnnd ist vor diesem Krieg / wegen vieler schöner Sachen / zu besichtigen gewesen. (…)

Zitiert nach Wikipedia. Gemeint ist natürlich das heutige Baden-Baden.

Topographia Germaniae

Haufenweise frühe Informationen über Orte längs des Rheins liefert (ab 1642) die Topographia Germaniae von Matthäus Merian (Stiche) und Martin Zeiller (Texte), wobei sich letzterer auffällig oft auf Münster und Freher beruft. Im Netz fehlen bisher die Teilstücke Topographia Helvetiae, Rhaetiae et Valesiae und Topographia Circuli Burgundici, wodurch der bisher im Internet vorhandene frühtopografierte Rhein hauptsächlich auf einen deutsch-elsässischen reduziert bleibt, wobei der schwäbische Part nebst eigentlich sehr Badischem auch noch Vorarlbergisches und Liechtensteinisches umfaßt. Die Texte sind schön ediert bei Wikipedia vorhanden, weswegen an dieser Stelle nicht sonderlich viel daraus zitiert werden soll. Sie bieten neben vielen historischen und geografischen Hinweisen vergleichsweise (s. Dielhelm) wenig Anekdotisches, eine Stelle über Germersheim fiel mir jedoch sofort ins Auge: kannte ich Germersheim doch zunächst, bei einer Annäherung per Fahrrad in den achtziger Jahren, als einen jenseits der Landstraße liegenden Ort im Hitzenebel der Müllverbrennung, deren ekelhaft süßer Gestank nach Erbrochenem meinen Besuch vollkommen vereitelte und für mehrere Jahrzehnte aufschob, bis ich mich vergangenes Jahr schließlich von der anderen Rheinseite heranwagte. Umso schöner diese die (offenbar auch prä-MVA-)typische Germersheimer Luft behandelnde Stelle aus der Topographia Palatinatus Rheni: „Es gibt gute Jagten / auch Fischereyen herumb / und wird das Gold da auß dem Rhein gebracht / und gewaschen; hergegen die Lufft / wegen Außlauff deß Rheins / und Morasts / so den Orth daher befestigt / nicht sonderlich gesund ist.“

Japanische Rheinbetrachtungen (4)

Da sich einfach keine japanischen Rheinbetrachtungen finden lassen wollen, eine chinesische: Über den Erzählband „Nachtschwimmen im Rhein“ der rheinfern in Berlin lebenden Chinesin Luo Lingyuan schreibt Steffen Gnam in der rheinnäheren FAZ vom 12. Juni 2008: „(…) Auch in der unterkühlten Titelerzählung “Nachtschwimmen im Rhein”, in der Meizhi, die Gattin eines Vorstandsvorsitzenden der Rheinbau-AG, nach Maos Vorbild zum Flussschwimmen aufbricht, um in der Stille der Mondnacht eine Erleuchtung über das Wesen der Liebe zu erlangen, kommt es bestenfalls zur Scheinkatharsis: Meizhis Versuch, mit einem schweren Kamm den Badezimmerspiegel zu zerschlagen, vermag die Antagonismen nicht aufzulösen. Der erhofften Einnahme des Himmels, so Luos Grundtenor, stehen auch und gerade in der Fremdkultur unsichtbare Schranken im Wege.“ Das Coverfoto zeigt Gesicht und unbekleideten Oberkörper einer asiatisch wirkenden jungen Frau, wie sie gerade dem Rhein entstiegen sein könnte, in erotischer Rückenlage mit einherströmendem Haupthaar: sex sells, eine bewährte konfuzianische Idee, die dennoch immer wieder pfeffrig-frische Exotik verströmt.

Japanische Rheinbetrachtungen (3)

Zwar immer noch nicht so ganz über den Rhein, aber immerhin aus japanischer Feder, und auf den Rhein, auch wenn es sich hier um den Charles River handelt, (vielleicht bis auf die Wolkenpassage) durchaus zutreffend: „Die Wasseroberfläche ist jeden Tag anders – die Farbe, die Gestalt der Wellen, die Geschwindigkeit der Strömung. Mit jeder Jahreszeit verwandeln sich die Pflanzen und auch die Tiere am Fluss. Wolken in allen Formen ziehen darüber hinweg, und das von der Sonne beschienene Wasser spiegelt den Zug der weißen Gebilde bald klar, bald verschwommen wider. Je nach Jahreszeit kann der Wind sich wie auf Knopfdruck ändern. An seinem Geruch und auf der Haut ist jede kleine Änderung in der Jahreszeit deutlich spürbar. An diesem Fluss erkenne ich, dass ich nicht mehr bin als ein Steinchen im gewaltigen Mosaik der Natur. Wie das Wasser des Flusses bin ich ein austauschbarer Teil einer Naturerscheinung, die unter den Brücken hindurch auf das Meer zufließt.“ (aus: Haruki Murakami – Wovon ich rede, wenn ich vom Laufen rede, Köln 2008)

Capitaine Lorelei – die französische Marine auf dem Rhein

Auf den ersten Blick durchaus erstaunlich das bloße (historische) Vorhandensein französischer Kriegsmarine auf rheinischem Süßwasser. Auf den zweiten erscheint es völlig logisch, die Erinnerung an selbst (wenngleich selten) zu Friedenszeiten auf diversen Flüssen gesichtete Marine macht das Bild rund. Die Straßburger Marine-Website bietet Informationen zur Verteidigung der Stadt im Jahre 1870 und zu weiteren Marineeinsätzen auf dem Rhein in den Kriegsjahren 1918 und 1945 (und in der Folgezeit). Einige Ausschnitte:

1870: „A la déclaration de guerre, le contre-amiral Exelmans (…) a pour mission de créer une flottille sur le Rhin constituée de canonnières démontables dénommées «batteries flottantes» armées d’un canon de calibre 150 mm. Chaque canonnière et son équipage est transportée en train. La faible vitesse de ces bateaux, 7 nœuds à comparer au courant du fleuve qui atteint parfois 6 nœuds, et surtout la précipitation des évènements (bataille de Froeschwiller) conduisent l’Amiral à participer à la défense de Strasbourg à terre. Il se voit confier 3000 hommes peu aguerris. (…) Leur ténacité et leur combativité sont unanimement reconnues y compris par les Allemands.“

1918: „Le 8 décembre 1918 la Flottille du Rhin est constituée. Elle comprend 15 officiers et 352 marins placés sous les ordres du Capitaine de corvette Darlan (…). Ils arment 26 bateaux basés à Strasbourg, Ludwigshafen et Coblence. La flottille reçoit la mission de participer aux opérations militaires éventuelles et au contrôle fixe et mobile du trafic commercial (…). De plus, les difficultés de navigation nécessitent la création d’une école de pilotage. (…) A partir de 1923, l’occupation de la Ruhr par les troupes franco-belges conduit à augmenter les effectifs qui atteignent plus de huit cents marins. La résistance passive des bateliers et des cheminots allemands laisse à l’abandon dans les ports des quantités considérables de vivres et de charbon destinées à la France. Alors, les marins arment les remorqueurs et les chalands, ils rétablissent progressivement le trafic sur le Rhein-Herne-Kanal (…). Entre Saint-Goar et Bingen, les pilotes militaires français remplacent les pilotes allemands et assurent la traversée délicate du Gebirge. (…) L’officier principal des équipages L’Hotellier gagne son surnom de «capitaine Lorelei». Ce navigateur hors pair a dressé les cartes du fleuve, il a rédigé un «Manuel du batelier du Rhin». Son successeur, Léon Merlin, complète l’œuvre entreprise en rédigeant en 1930, en langues française et allemande, le «Guide du batelier du Rhin». (…)

1945: „A partir du 3 avril 1945, les Forces Maritimes Françaises du Rhin ont pour attributions la surveillance, le contrôle et la police de la navigation. L’officier des équipages Léon Merlin est rappelé en activité pour former les pilotes de la deuxième génération. La marine compte alors près de 500 marins sur le Rhin et ses affluents armant une cinquantaine de bateaux divers. Leur domaine s’étend de Bâle à Lauterbourg. L’état-major est basé à Strasbourg, la flottille est installée à Bingen, l’école de pilotage reprend ses quartiers à Saint-Goar. (…) De 1952 à 1955, un programme d’aménagement de deux flottilles est réalisé. La flottille nord a pour port base Coblentz-Lutzel, elle dispose de 38 bateaux. La flottille sud demeure à Kehl, elle compte 42 bateaux. L’effectif des FMR atteint 312 marins français et 238 ouvriers, employés et mariniers allemands.(…) La flottille nord est ainsi transférée en 1957 à la Fluss pionier de la Bundeswehr. La «Royale» entretient sa capacité à naviguer et à franchir le Rhin jusqu’en 1966, année où des choix budgétaires imposent la dissolution des FMR (…)

Bei der französischen Marine

Auf einer Korvette der französischen Marine namens „Le Rhin“ umrundete einst Charles Méryon (1821-1868) die Welt, fertigte dabei ein paar Skizzen von Neuseeland, entdeckte zurück daheim seine Farbenblindheit, entschloß sich daher statt auf Malerei auf Radierung sich zu verlegen, wurde darin der beste seiner Zeit in ganz Frankreich, fristete nichtsdestotrotz, unterdessen gelobt von Baudelaire und Hugo, ein klischeemitbildendes Leben, mittellos und straßennah, und endete, unter Depressionen und Verfolgungswahn, in der Irrenanstalt von Charenton, in der gut 50 Jahre zuvor auch das Licht des Insassen de Sade verlosch. Müßig zu erwähnen, daß nach Méryons Tod die zu Lebzeiten mäßigen Preise für sein Druckwerk (in einer für Ende des 19. Jahrhunderts sensationellen Spanne) sich vervielfachten.
Auch heute besitzt Frankreich ein Schiff namens „Le Rhin“, das die Weltmeere befährt, ein elektronisches Versorgungsboot, und es ist unbekannt, welche aktuellen bzw kommenden Künstlerschicksale (und seien es Avatare) darauf wirken. Auf Standarten und sonstigen Emblemen dieses Schiffs findet sich übrigens, einigermaßen überraschend, mit Wotan/Odin ein nicht ganz gallischer Gott des Krieges, der Magie und der Poesie: den Rhein bezwingend, vor Burg Katz.

Rheinbrückensonett

Sein Sonett zur Raiffeisenbrücke zwischen Neuwied und Weißenthurm schickt Dirk Schindelbeck, über dessen besuchenswerten Weblog – der zwischen docere et delectare zu interessanteren Themen (wie etwa: Entwicklung der Konsumgesellschaft, Bankraub, DDR, Fußball, Wahrnehmungs-, Kommunikations- und Erkenntnistheorie etc) unserer stets mitten im fatalsten Selbstentwindungsprozeß sich nachhaschenden, überblendenden, bilokalisierenden Gegenwart herumamalgamiert – sich zum Profanitätsabgleich auch ein gemeinverfügbares Foto der besungenen Brücke laden läßt. Rheinsein dankt ganz herzlich!

Rheinbrücke bei Neuwied

Die Brücke: definiert die Landschaft: kühn:
mag auch der Strom – der alte Trunkenbold -
murmelnd und wie vor Zeiten weiterziehn:
Wo Güterfernverkehr querüber rollt:

herrscht: schwerer Diesel Minimalmusik:
schwingt: Brückentrasse: unter Vierzigtonnern:
wenn Schattenschatten auf das Wasser donnern:
so lernt: der alte Strom: das neue Stück.

Kommt Sommer: strahlt: der neue Tag ein Held:
pflanzt blendend schön sein Licht auf den Pylon:
spielt: lange noch: im Brücken-Bogenfeld.

Und schlägt der Blitz ein: in den Stahl: das Band
der Trossen: jubiliert die Konstruktion:
kreischt auf die Riesenharfe überm Land.

Rheinische Tierwelt (2)

Innert einer Woche zweimal die Kunde von „regnenden Weidenbäumen“, einem mir bis dato unbekannten Fänomen: aus den oberrheinischen Auen in Form eines Augenzeugenberichts sowie aus dem Riet bei Nendeln in Gerüchtform (ein entsprechender Annäherungsversuch meiner Informantin in Nendeln fand sein frühes jähes Ende im dortigen Morast). Fehlt die Erstwelt-Erfahrung, schafft die Zweitwelt Ersatz:

„Der Schaumwurm (Gäschtwurm): besonders häufig auf Weidenbäumen, denen die Larve im Frühjahr den Saft aussaugt, und ihn in Gestalt eines Schaums (des so genannten Kuckucksspeichels), unter welchem sie oft versteckt ist, wieder von sich gibt. Daher auch die Sage von regnenden Weiden.“ (Zitiert nach: Johann Friedrich Blumenbach – Handbuch der Naturgeschichte 1821)

Obige Stelle findet sich ganz ähnlich bei Friedrich Philipp Wilmsen in seinem „Handbuch der Naturgeschichte für die Jugend und ihre Lehrer“, ebenfalls aus dem Jahr 1821, dort jedoch wechselt der sagenhafte Wurm in die moderne Nomenklatur: „(…) Ferner die Schaumzikade, welche auf Gräsern, und besonders auf Weiden, den Saft einzieht, und ihn als Schaum wieder von sich giebt; er wird Kukuksspeichel genannt, und hat, da er bisweilen in Tropfen herunterfällt, Gelegenheit zu der Sage von regnenden Weiden gegeben.“

Auf Wikipedia klingt dies heute, im Artikel über Schaumzikaden, wie folgt: „Neben der kennzeichnenden Eigenschaft der Schaumnester, in denen sich die Larven der Schaumzikaden entwickeln, gibt es eine Reihe weiterer Besonderheiten in dieser Tiergruppe. Manchmal treten die durch die Larven der Bunten und der Braunen Weidenschaumzikade (Aphrophora pectoralis, A. salicina) erzeugten Schaumflocken in Weiden (Salix) so groß und zahlreich auf, dass Flüssigkeit aus ihnen heraustropft und es aus dem Baum gewissermaßen regnet. Landläufig spricht man dann von „tränenden Weiden“.“

Randnotiz (3)

Vor gut einem Jahr ist Rheinsein, dank großartiger Unterstützung aus dem litblogs.net-Umfeld, aus Googlelanden auf die jetzige .de-Domain umgezogen. Die alte blogspot-Adresse lief bisher nebenbei weiter, gestern habe ich sie vom Netz genommen. Obwohl dort seit einem Jahr nichts mehr passierte, fand die Seite weiterhin ein zwei Handvoll Besucher pro Tag. Mag es an Google liegen: die Besucher der alten, nun abgeschalteten Seite interessierten sich vornehmlich für Tierartikel, die (wie alle anderen alten Einträge auch hier erhältliche) Liste mit Rheinfischen wurde an die 2000 Mal angesteuert, die Artikel über Moby Dick, den Beluga im Rhein und den Ochsenfrosch, das Monster vom Oberrhein erreichten ebenfalls die Besucher-Top Ten, in denen auf der aktuellen Seite Textstellen von/über James Fenimore Cooper, Martin von Tours und Hanns Martin Schleyer stehen.

Le Rhin est une personnalité

le-rhin-est-une-personnalit(Videostill: Roland Bergère)