Rhein, Düssel, Wahn und Tod: die Persilfrau?

Äußerst rheinbasiert geht es zu in Bernhard Mollers „Historicvm Pro Illvstrissimi Principis“ (Ac Domini, D. Ioannis Guilhelmi Iuliae, Cliuiae Montiumq. Ducis, Marchiae et Rauensburgi Comitis, Domini in Rauenstein, etc. nec non Illvstrissimae Principis Ac Dominae, D. Iacobae Marchionissae Badensis, Comitissae Spanheimen: etc. Ad XVI. mensis Iunii Anno 1585. celebratis nuptiis), seinerzeit verlegt zu Dußeldorpiij – das von der Bayerischen Staatsbiliothek lobenswerterweise digitalisiert und für wissenschaftliche Zwecke zum pdf-Download bereitgestellt wurde. Eine Übertragung ins Deutsche konnte ich bisher nicht finden, der Text deutet, soweit überflogen, auf ein bisher weitgehend übersehenes Zeugnis der Rheinliteratur mit folgendem Beginn:

Rhene Gothardino descendens vertice prodi:
En iterum nostro placidus succure labori.
Tu quoq. Cambyses, Tragico iam carmine plenus,
Nec tamen ad finem laetus ponare seorsim:
Post paucos repetende dies. Non praelia dicam,
Quae contra Dominos populosa rebellio mouit,
Vel Dominos inter disceßio legibus vrsit.
Secretae ferro redeant ad foedera gentes.
Pax animos religet: pax arma releget ad Indos,
Ad Turcas, dederant nondum qui nomina Christo.
(…)

Ein literarischer Kavalierstart in prämotorisierten Zeiten, möchte ich meinen. Nun ja. Räume und Zeiten durchwirken sich, und nehmen sich somit auch vorweg. Götter haben mit ihren Zehennägeln Flußrinnen in die, auf ihren langen Reisen durchs Universum als Jausenstation vorgefundene, Erde geritzt, dann nachlässig ihre Spuren verwischt, ohnehin diesen genuinen Geruch von Göttlichkeit hinterlassen, der sich eben nicht so schnell verzieht. Genauso, wie sie sich vorwegnehmen, schleichen Betrachtensweisen, Methoden und Maßnahmen aber auch sich selbst hinterher, jeder Gewinn an Geschwindigkeit etwa fordert einen Ausgleichsverlust an Wahrnehmungskapazität. Moller langt mit seinem frühgewonnenem, jugendlich frisch durch Geografie und Weltgeschichte katapultierenden Alpenschwung bereits auf Seite 3 bei des Rheines Vermählung mit der Düssel an und somit in der Gegend seines bewidmeten Fürstenpaares (Jahre bevor Jakobe im Düsseldorfer Schloßturm mysteriös ums Leben kam und Jahrhunderte später womöglich als Vorbild für die weiße Persilfrau diente):

(…) subito Rheni subit arua volatu
Pone Diana subit paucis comitata puellis:
Venatu ripas Rheni vestigat vtrasq.
Foecundas Lucina faceis, ceu pronuba gestat
Quid? solito citius se dedunt flumina Rheno?
Miror, qua gelidus se Rheno Dussela nubit,
Dat nitidum castro nomen quoq. Principis vrbi,
Siue latus Rheni dextrum, seu specto sinistrum:
Mista venit Sigenis Agro: venit Eruetis orbe
Nata peregrino: iunctis venit edita syluis
Duna: venit reliquis neq. Dussela tardior vndis.
Omnia concurrunt glomerato flumina nexu;
Nexu circumeunt venerabilis oscula Rheni.
(…)


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