Céline am Rhein

Der spätere (und dann heftig umstrittene) Weltliterat Louis-Ferdinand Céline besucht als Vierzehnjähriger meine Heimatstadt Karlsruhe. Dies im Jahr 1908, als sich Phönix Karlsruhe anschickt, zum ersten Mal die deutsche Fußballmeisterschaft (auf die Fußballgeschichte am Rhein, insbesondere die Frühgeschichte, wird noch zu kommen sein) nach Baden zu holen. Und mit ein paar Briefzeilen (noch nicht ganz, aber doch schon fast weltliterarischen Ranges) reiht Céline sich ein in die Reihe berühmter Karlsruhe-Beschreiber: „Aussi [pour : ici] en revanche nous avons un brouillard épouvantable. Ce matin en allant à l’école j’étais obligé d’aller tout doucement car on ne pouvait pas voir les gens à 100 pas. Cela vient du Rhin.“ Die fürchterlichen Rheinnebel Karlsruhes müssen damals mit den Londoner Themsenebeln konkurrenzfähig gewesen sein! (Mit Dank für das Zitat an Roland Bergère.)


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3 Kommentare zu “Céline am Rhein”

  1. Jean Stubenzweig
    10. Mai 2010 um 20:18

    Entschuldigen Sie bitte, daß ich Ihren Céline mißbrauche. – Ich bin heute über drei oder vier Ecken und letztlich dann via LitBlog in Ihrem Leseschlaraffenland gelandet, für dessen Schöpfung ich herzlich danke; ich stöbere darin in Leselust wie in einer kleinen, feinen Buchhandlung.

    Zum Thema Rhein möchte ich Ihnen etwas liefern. Ich habe es einmal einer Eloge auf die Loire beigefügt (http://stubenzweig.blogger.de/stories/1368242/). Die Übersetzung, möglicherweise keine ideale, stammt von mir; ggf. müßte ich nach dem Büchlein schauen (wenn ich’s denn finde), das ich in Aix-en-Provence mal in einem platanenüberdachten Antiquariat erstanden habe.

    «Die Ufer des Rheins sind ohne jeden Zweifel schön. Aber ohne die romanischen, gotischen oder mittelalterlichen Städte fehlt ihnen eben etwas. Die Ufer der Loire und der Seine tragen ihre Fluten auf majestätische und authentische Weise zum Meer, während ihr sich Rivale dort wirr im Sand verirrt oder verliert, wo er nützlich und seine Schiffe zur Mündung tragen könnte. Darin ist er ein treues Emblem des deutschen Volkes — das seine Stimme erhebt und donnert und sich majestätisch gibt, aber am Ende seiner langen Sätze und Perioden nie zu einem konkreten Gedanken kommt.»*

    * Adolphe Desbarolles: Le Caractère allemand expliqué par la physiologie, Librairie Internationale, Boulevard Montmartre (A. Lacroix, Verboeckhoven & Ce, Éditeurs à Bruxelles, à Leipzig et à Livourne), Paris 1866

  2. Jean Stubenzweig
    10. Mai 2010 um 20:33

    Pardon. Korrekte URL: http://stubenzweig.blogger.de/stories/1368242 (ohne Schrägstrich am Ende): Titel: «Hugenottenmetropole»

  3. Stan Lafleur
    10. Mai 2010 um 21:19

    lieber herr stubenzweig, herzlichen dank fuer ihren freundlichen kommentar & den desbarolles! interessant zu sehen, wie desbarolles bereits im 19. jahrhundert, weit vor den groszen kriegszerstoerungen, die dt rheinstaedte & -staedtchen mit frz fluszorten abgleicht. die rheinmuendungen in die nordsee konnt ich bisher nicht selber visitiern (hab das natuerlich vor; wenn alles klappt: noch diesen sommer: zumindest ein paar davon). die heutigen rheinmuendungen in den bodensee korrespondieren vorzueglich mit der zitierten stelle (& naehmen ihr auch etwas schwung: der dt rhein versickert da & dort). ueber die schluszfolgerungen desbarolles` (ueberhaupt den dt charakter an sich) jedenfalls liesze sich weiterhin trefflich debattieren, auch jenseits des zeitkolorits. ist natuerlich ein niederlaendischer rhein, dorten, & als solcher: keiner – in der auffassung der niederlaender naemlich, soweit ich bisher vernehme, wie zuletzt im zug an der mittelrheinstrecke, als eine junge dame aus den niederlanden sinngemaesz meinte: “das ist also der rhein, aber bei uns nicht, was da ins meer flieszt ist die ijssel.” sie vertat sich allerdings in geografischer hinsicht, denn sie meinte die muendung bei hoek van holland, die mitte des 19. jahrhunderts zudem durchaus schiffbar war, ueber die die ganzen englaender kamen. (& schoene buecher schrieben & bilder malten, wie etwa der sehr empfehlenswerte thomas hood oder william turner.) mit besten grueszen, stan lafleur

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