Walensee

Der Walensee ist ein erquickliches Naturschauspiel und Erholungsgebiet (mit Bade- und Panoramablickmöglichkeiten): das Schweizer Militär hat den Schweizern aus Dankbarkeit für die gute Zusammenarbeit mehrere ausgewählt sanfte Strandabschnitte zur Freizeitgestaltung zur Verfügung gestellt. Es gibt einige imposante Wasserfälle (schmale, sehr hohe: auch diese Wasser sollen, dem Wortstamm nach, zumeist Rheine heißen), die Zugstrecke zwischen Ziegelbrücke und Walenstadt lohnt den Ticketpreis: der ständige Blick auf den im Norden an die steilen Felswände der Appenzeller Alpen ufernden See, das plötzliche Dörflein Quinten, in einer, wies vom Zug her aussieht, hangartigen Bucht gelegen, die nur übers Wasser erreichbar scheint. (Zur Beachtung: die Schweizer Züge fahren pünktlich los und kommen pünktlich an, ohne zwischenzeitliche Verspätungen, sogar bei Schnee – in Deutschland seit der Mehdorn-Ära nahezu undenkbar.) Walenstadt macht dann natürlich mit einem Wal Werbung und den Anschein eines Kurorts, an dem man sich trotz des verjüngenden Effekts eines kühlen Gebirgswasserbades aufgrund des Stadtbilds gleich dermaßen alt fühlt, daß die stattfindende Verjüngung einen bestenfalls auf sein wahres Alter zurückwirft. Insofern wäre nicht viel gewonnen, aber es gibt noch den Blick Richtung Sargans und dort tut sich ein hohlwegartiges, vorbildliches Tal auf, von dem sich leicht vorstellen läßt, wie der Rhein, einmal in diese Richtung losgelassen, es durchschwemmte, in biblischen oder sogar prähistorischen Dimensionen, volle Spülung auf einen zu, von den Appenzeller an die Glarner Alpenwände klatschend und zurück, die ganzen Heidiland-Schilder entwurzelnd, ein Alpentsunami (japanische Touristen, angeführt von Bokushi Suzuki, dem tiefschneeerfahrenen, ersten aller japanischen Alpentouristen, sitzen auf sicheren Föhrenholzpodesten um wenige Franken Benutzungsgebühr und zeichnen die Wellen, ersinnen und kalligrafieren zum Schauspiel passende Haikus), sogar die Tagesschau berichtet, der Rhein findet sein neues Bett und von Speedbooten aus lassen sich jetzt Touren in die natürlich umgestaltete Region unternehmen, bei denen man mit etwas Glück regionaltypische hornlose Kühe auf regionaltypischen Fettwiesen fotografieren kann.


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