Rohrspitz

Übern Rohrspitz, das touristisch-gastronomisch, aber auch von Bodenbrütern stark bevölkerte Mündungsdeltagelände, hin zum östlichen Arm bei Fußach bzw Hard (bzw genau zwischen beiden Ortschaften), dem eingedeichten, auslaufenden Alpenrhein. Dort finden sich statt des erwarteten einen überraschenderweise zwei (oder vielleicht noch mehr: läßt sich nicht genau überblicken) massive, parallel verlaufende, schnurgerade eingedeichte Rheine. Von denen einer kein Wasser führt (zumindest teilweise, jedenfalls läßt sich wenige Kilometer unterhalb der Mündung der ebene rissige Flußgrund, aus dem Halme hervorsprießen, als handele es sich um einen Flurgrund, komplett trockenen Fußes queren) und der andere (östlichere) nicht Rhein, sondern Dornbirner Ach heißt, wie das später eingeholte, aber keinen sonderlich zuverlässigen Eindruck machende Internetorakel verlautet. Rhein und Dornbirner Ach besitzen beide seit Anfang des 20. Jahrhunderts regulierte Läufe, die derzeit (wahrscheinlich bis in alle Rheinigkeit) nachreguliert werden. Gut sichtbar sind diese Anstrengungen vom Bahndamm der internationalen Rheinregulierung aus, dessen stillgelegte Gleise alle paar Minuten von Kieslastern eingestaubt werden. Dennoch zieht der Damm etliche Spaziergänger und Rheintouristen an: erstaunlich, wo doch ungleich romantischere Flecken wie die Quellgebiete oder der Zusammenfluß bei Reichenau von Schaulustigen soviel Schonung erfahren. Das ganze Bodenseeische verstrahlt im Übrigen eine spätestens an den Rändern fragwürdige Lieblichkeit wie sonst nur Kurorte oder Mallorca: bestens ausgeschildertes Gebrauchsparadies mit reichlich Offshore-Schneisen.


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