Challenge League Match im Rheinpark-Stadion zu Vaduz

Gestern mit Martin Smyrk im Rheinpark-Stadion, das Match zwischen den rheinischen Giganten der Schweizer Challenge League, FC Vaduz und FC Schaffhausen, zu verfolgen. Smyrk besorgte Freikarten für die Haupttribüne, sagte fatalistisch, die würden im ganzen Land verteilt, damit überhaupt noch jemand zu den Spielen gehe, und so genossen wir wahlweise einen prächtigen Blick aufs Spielfeld (durch Pierre „Litti“ Littbarskis exemplarische O-Beine – Litti, der momentan den Gentleman-Trainer des FC Vaduz abgibt) oder, wenn auf dem Feld nicht so viel los war, auf das romantisch-postkartinöse Schweizpanorama oberhalb der Gegentribüne mit seinen schneebekuppt-frühlingsgrünen Höhenzügen unter babyblauen Himmeln – soweit vorhanden zumindest, denn im Laufe des Matches zog sich die Schweiz hinter eine schwere schwarze Leere aus fortgeschrittener, aber verregneter Lichtlosigkeit zurück, wahrscheinlich auf irgendeine Konferenz. Auf der Südtribüne verlor sich unterdessen (inkl Kindern) ein knappes Dutzend Gästefans, ein fähnleinschwingender Haufe, der sich auf mitgeführtem Banner artig „Abarticus“ nannte und im Spielverlauf (evtl mittels Bierkonsum) sowohl eine wundersame Vermehrung an Fähnlein wie Personal voll- (es war grad noch so zu fassen), als auch, auf der blechernen Bandenwerbung, eine veritable Guggenmusik abzog, nebst Gesang, während die apathischen Heimfans bis ca zur sechzigsten Spielminute brauchten, um sich ein „uusse mit Schaffhuuse“ zurechtzudichten und hinauszushouten, da war der Fanslam jedoch längst zugunsten der Gästegruppe mit dem lustigen Namen entschieden, wenngleich auch jener der heimischen Supportertruppe, nämlich „Vaduz Nord“, nicht eines gewissen, nämlich subtilen Humors entbehrte. Zum Spiel bleibt nicht viel zu sagen: Smyrk erklärte mir emotionslos das schweizerisch-liechtensteinische Abseits, Littis rechter Zeigefinger kreiste und markierte oldschoolne Fußballgeheimzeichen in den flutlichtnen Dauerregen, Codes, die seine langaufgeschossenen Spieler aber nicht zu lesen vermochten, weshalb sie denn auch sang- und klangarm mit 1 zu 3 untergingen; auf der Gegentribüne immerhin schrie ein einzelner Irrer sich die Lunge aus dem Leib und fuchtelte mit den Armen, als setze er zum Rundflug an (kurz darauf war er tatsächlich verschwunden) und die lasche Fünffrankenservela ward mit noch lascherem Senf, dafür einer straffen Scheibe Brot serviert. 605 Zuschauer, für deren Besuch man sich bedanke, waren, kündete die Anzeigetafel irgendwann Mitte zweiter Halbzeit, im Stadion, und Martin Smyrk und ich zwei davon, wie uns klar wurde, als ebenjene Zuschauermassen auf der Anzeigetafel mittels simpsonesken Comicvisagen dargestellt wurden: Teil der Geschichte waren wir, jaha, jener großartigen, stets sich fortschreibenden rheinischen, allzu häufig parallel verlaufenden Geschichte der Siege, Unentschieden und Niederlagen, die auf dem gepflegten Rasen vor und im Stadionrund um uns derart symbolisch wie leibhaftig Entsprechung fand, daß wir uns beinahe küssten, so licht war dieser Erkenntnismoment, so klar und so erhaben. Der große Litti analysierte abschließend nach dem Match und durch die zunehmende Entfernung zu uns und/oder sich selbst immer kleiner werdend im Niesel das Geschehene fürs liechtensteinische Fernsehen, das es mittlerweile gibt und stattdessen aber lieber noch einmal das beliebte Portrait über den Schaaner Handorgelverein brachte, der dringend neue Mitglieder sucht.


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Ein Kommentar zu “Challenge League Match im Rheinpark-Stadion zu Vaduz”

  1. Schrotti Schrotmann
    28. Oktober 2013 um 10:13

    Am Wochenende wollte ich mir dieses sagenhafte Liechtenstein endlich einmal anschauen und gleich die Gelegenheit nutzen das schöne Rheinpark-Stadion zu visitieren, denn das Heimspiel des FC Vaduz gegen die Kontrahenten aus Biel stand an, weil die Vaduzer ja in den Schweizer Ligen mitspielen dürfen. Also, ich kann vieles aus Ihrem Bericht bestätigen. Das Rheinpark-Stadion wurde ja unlängst zu den zehn schönsten Stadien Europas gewählt und da kann man nur zustimmen, fast mag man mehr auf das überwältigende Bergpanorama schauen als auf das Spiel zumal wenn das Flutlicht die Abendstimmung verstärkt. Nur was mich sehr verwundert hat ist dass das Häuflein von zehn Fans aus Biel auf der ansonsten leeren Südtribüne viel mehr Stimmung gemacht hat als die heimischen Vaduzer, deren Fanclub zwar auch nicht grösser war, aber den man gar nie gehört hat, obwohl Vaduz ja sehr überlegen gespielt hat und auch verdient 4-1 gewonnen. Das einzige, was man von den Vaduzern zweimal oder dreimal gehört hat, waren die Anfeuerungsrufe von den Grundschülern auf der Haupttribüne und da muss man sich als Spieler wohl recht seltsam vorkommen oder zumindest ein paar Gedanken machen unten auf dem schönen Rasen wenn es schon die Anfeuerungsrufe der Kleinsten braucht weil sich sonst niemand erbarmt. Zumindest habe ich mir auf der Haupttribüne diese Gedanken gemacht. Und dann macht es auch nicht grad viel her, wenn die gesamte Gegentribüne ebenfalls leer ist und man hört dass wohl über die Hälfte der Zuschauer mit Freikarten im Stadion sind. Der Jehle von Vaduz ist übrigens ein Super-Goalie. Und wenn mich nicht alles täuscht, habe ich Otto Pfister an der Bande herumlaufen sehen, also richtig Prominenz im Stadion. Also Liechtenstein ist insgesamt schon sehenswert, nicht nur das Stadion, nur dass die Autobahn mehr zu hören ist als die Heimfans bei einem soliden Sieg ist schon ein kleines Minus.

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