Randnotiz (2)

Es müssen in einem Rheinepos neben den schönsten kenternden Kanutinnen (welche nachher auf Kenterschoppendionysien zu großen Worten und gern überrheinischer Strahlkraft auflaufen dürfen) natürlich auch Sprayer vorkommen, die gesamte Rheinschiene ist ja heuer besprayt, und so werden es wohl zwei drei vier Jungs sein müssen mit zackigen Bindestrichnamen (A-dam, B-boy, C-C, D-Bill – wird schon noch zackiger gehen…), nachts, die dann völlig abkapuzt oder zumindest unter irgendwelchen so und so rum aufgesetzten Käppis ihre leuchtenden THC-gestützten Bilder denken, während sie drahtig von Brücken hangeln oder sich von Güterzügen die Schlabberhosen schrabben lassen, ihre deformierten Blähstaben und knalligen Fabelfiguren da anbringen auf großflächigem Nachtssindallemauerngrau. Sie sind flink aufn Beinen (tragen immer den angesagtesten Turnschuh), aber die Treibgase der Normfarbdosen sind in den zum Dosenstehlen vorgesehenen Regalen von Mitarbeitern der Heimwerkerbedarfsgroßmärkte in geheimer Absprache mit städtischen Sprayerjägern (z.B. im gesamten Bonner Raum) mit einigem Unerlaubtem, das die Sprayer ein bißchen doof macht und sowieso Minisendern zur Ortung (im Dosenboden bzw den Klimperkugeln) versetzt, weswegen sie, dieweil sie sich an der Westseite des Lärmschutzwalls zu schaffen machen, noch bevor sie überhaupt raffen, daß der auch eine Ostseite besitzt, die von den Ausflugsschiffen her z.B. viel besser wahrgenommen würde (oder man müßte sich das alles halt ersma spiegelverkehrt vorstellen, also von der anderen Rheinseite aus, sodaß Drachenfels und Rolandsbogen übernacht die Plätze tauschten – was sie ja auch tun an bestimmten Tagen, deren Quersumme eine Primzahl ergibt), bevor die artists also in die nächste Stunde langen mit ihren spritzenden Armen, werden sie umstellt von ziemlich dicken Spezialkräften der Stadtverwaltung (in schwarzen Stadtverwaltungsblousons mit feisten Logos drauf), deren Motive jedoch keineswegs im Vorsjugendgerichtbringen oder gar Rückvergrauen der Lärmschutzwände bestehen, sondern schlicht und archaisch im Ausüben alttestamentarischer Racheformen, weswegen sie die Sprayer, dh deren Körper, unter befriedigten Lautäußerungen und handwerklich garnicht mal so schlecht, denn sie haben sogar in ihrer Freizeit unten im Hobbykeller geübt, von unten bis oben und wieder zurück mit städtischem Restlack besprayen, im Dunkeln, weswegen sie den ein oder andern Sohn oder Neffen auch erstmal garnicht erkennen, denen noch ein paar Verwaltungsparagrafen „ins face taggen“, das müßte nicht zwingend Bonn sein, das könnte fast überall spielen, als zeitgenössische Anwendung altgriechisch-trojanischer und nibelungischer Vorgaben.


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