Am Rande des Rhein-Lech-Kontinuums

In Augsburg am Lech traf Rheinsein während des Brecht-Festivals u.a. Monika Rinck wieder. Wir waren uns elektronisch aus dem Forum der 13 und erstweltend von der ein oder anderen Gelegenheit bekannt. Monika Rinck betreibt nicht nur ein höchst besuchenswertes Begriffsstudio, sondern schreibt und liest mit die wohlklingendste und anspielungsreichste Lyrik der Gegenwart – somit lag die Frage nah, ob sie den Rhein in einem ihrer Texte behandelt habe (spinxend natürlich auf einen Rheinsein-Gastbeitrag). Habe sie in ihrer Dichtung bisher nicht, sagte Monika (und zog umgehend ein Büchlein aus ihrer Tasche hervor), aber ob mich dieses vielleicht interessiere:

“A riddle is the purely originated.” In its context, this sentence begins the fourth strophe of Hölderlin’s DER RHEIN and can be read backward and forward. Origin as riddle. Riddle as origin. Like the source of the Rhine, pure origin is hard to specify. “Even poetry can scarcely unveil it,” says the poet. I suspect Celan likes the pun that informs Hölderlin’s riddle. His line breaks and word divisions emphasize the parts of Hölderlin’s German word Reinentsprungenes, which means “purely originated” but also sounds like “Rhine-originated” and perhaps even suggests “Der Rhein-originated.” Pure source, the river Rhine and the poem “Rhine” come together on one point from which the rich sense flows. If language were a commerce, punning words would be its usury. Aristotle tells us that usury is the most unnatural sort of wealth-getting because it allows money to breed money out of itself instead of being spent as it was intended. Analogously, punning generates an unnatural supplement of significance from a sound that properly expends itself in one meaning alone.”
(aus: Anne Carson – Economy of the Unlost. (Reading Simonides of Keos with Paul Celan) 1999.)

Doch, das interessierte mich sehr, schließlich bin ich Verfechter der Tausendrheinthese, die besagt, daß der Ursprung des Rheins zum einen ein vielfacher, zum andern unenträtselt ist und somit einen Tick eher in poetischen als geologischen Gefilden liegt, noch eher aber in den kosmischen mit ihren (von uns) un/entdeckten Zugängen (zu uns) – und ich dachte oder besser: empfand, so sollte es eigentlich immer sein: du stellst eine Frage und dein Gegenüber packt in Hinterkopf und/oder Tasche und holt eine strahlende Assoziation hervor.


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