Begebenheit bei Hinterschellenberg

Kühe im Halbdämmer, im Pulk, mit Regenfäden vernäht. In ihren Innern: Rohrsysteme, von Flüssigkeiten und Gasen durchzogen, mit verkuttelten Hähnen geregelt: ein Käuen und Käuen und Käuen, der große Pansen, mählich treibende Vorgänge, an deren Rande es grummelt und spratzt, am Wegrand hüpft ein Spatz, das ist der Sound der Landschaft. Glitschige Hänge, ächzende Föhren. Bleiches Gras sträubt sich teils angeekelt, teils routiniert ins Wetter, einige Wiesen lassen sich gar vom Niesel frisieren, massieren, haben den ewigen Kampf aufgegeben und fügen sich einfach ins Dasein. Da nähert sich ein wilder schwarzbärtiger Mann mit einem riesigen grünen zu einem gewaltigen Zipfel spitz nach oben auslaufenden Filzhut halb im Bergler-, halb im Seemannsgang, geschickt und wendig jedenfalls, nähert sich aus den nachmittäglichen Schwaden Vorarlbergs, weit drunt im Dunkel fließet der Rhein, nähert sich der Grenze, in der Rechten ne elektrische Fackel: Prometheus. Hält jäh inne, stutzt, liest (ein Schild!):

Grenzübergang für Wanderer
Überschreitungen mit gültigem Grenzübergangspapier gestattet. Ausgenommen sind visumpflichtige Ausländer. Kein Warenverkehr! Übertrittszeit: Sonnenaufgang – bis Sonnenuntergang (Sicherheitsdirektion für das Land Vorarlberg / Regierung Fürstentum Liechtenstein)

heult kurz auf und setzt seinen Weg, einen mutmaßlich ziellosen, die Sonne ist längst in der Schweiz verschwunden, fort und gelangt auf diese Weise nach Hinterschellenberg, wo`s plötzlich in den Steckdosen zischt bis die Energiesparlampen verrückt spielen. Nicht mehr als ein Bild, eine Begebenheit wie sie sich täglich abspielt, irgendwo auf der Welt, mit einiger Symbolkraft, deutungsfähig jedenfalls. (Leberzerfressener, unverstandener Heilsbringer als visumpflichtiger Ausländer mit unzureichenden Deutschkenntnissen.)


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