Liechtenstein (3)

Der Vandalismus hat Einzug gehalten im Liechtenstein der neuen, am (dreimal laut: haha!) sauberen (i.e. z.B. auch Köln beinhaltenden) Europa orientierten Ära. Molotowcocktails auf Wohnhäuser, eingeworfene Scheiben im unschuldigen Landesmuseum, zerstörte „Beleuchtungskörper“ der „Freizeitanlage“ in Mauren. So berichten beide Liechtensteiner Tageszeitungen „Volksblatt“ und „Vaterland“ ihrer Klientel über ein jahrzehntelang ungekanntes Horrorwochenende. Auf der Suche nach dem Liechtensteiner Ghetto fotografiere ich eine grasende Kuh vor zehngeschossigem Wohnhochbau, direkt am von ohrenschutztauben Laubbläsern gerockten Hang zwischen Vaduz und Triesen; darüber, im Dampfbad, die glitschigen Berge. Zentrale Straßen schreiben sich fort als peristaltische Reihung aus Bauernhöfen, Banken, Tanken, Gewerbe, Wohnhaus und Table Dance Bar, zwischen Landtag und Rathaus passen noch ein Souvenirshop (mit im fernen Ausland hergestellter, vorgeblicher Alpenware), ein Markenjuwelier und eine Pizzeria, die das Land durchziehende Hauptstraße als reißender Geldstrom, Kuhglocken und Motorrauschen, die argusbewachten Besucherparkplätze unterhalb der Stiftungen wachsen sich allmählich aus zu (noch nicht ganz) denkmalgeschützten Brachen einer soeben verwehenden Kultur. (Liechtenstein war einst=bis vor kurzem, proportional zu sich selbst gesehen, einer der größten bewachten Besucherparkplätze der Welt.) Autos verschwinden im Niesel, andere tauchen daraus auf. Ihre Geschäftigkeit hat etwas modernes, plastikbasiertes, zwischen Playmobil- und Echtwelt. Triesen beginnt entsprechend verspielt mit einem McDrive, in fosforgrünen Bussen grasen behütete Kinder der von allgemeiner Geldpotenzierung auf schnellen Reichtum verworfenen Neo-Bourgeoisie, üben heimlich das Zähnefletschen unter Aufsicht der fürstlichen Bastion. So wächst festverwurzelte bäurische Identität sich langsam aus und hinein in eine monetär bedingte Internationalität, ein geschmackvoll eingerichtetes Fake aus Weltläufigkeit innerhalb wohlstandsgedehnter Provinzialgrenzen (Dehnungen, die zuvorderst nach innen hin statt finden und erstaunliche Blasen werfen, doch:) begrenzt sind alle Ewigkeiten, so schließlich auch die Fassungslosigkeit.


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