Triesenberg

Triesenberg, Walsersiedlung, aus Gottes Handgelenk übern Hang gesät. Im Dunkel zeichnet die Straßenbeleuchtung, heißts, vom Tal betrachtet die Silhouette eines springenden Fuchses. (Insofern befände ich mich direkt in seinem Magen.) Es gibt in Liechtenstein Dörfer mit kaum Verkehr (und bevorzugt in Wiesen endenden Straßen) und solche, in denen er, auf kleinerem Areal zwar, dem großstädtischen in seiner oberflächlichen Anmutung zu vertaner Zeit gepressten Willens in nichts nachsteht: irgendwer hat einst eine unübersichtliche Kreuzung verantwortet; bis heute wird sie gesucht und gefunden. Die Straße zu Fuß zu queren, außer für Damen jenseits der 80 und kinderwagenschiebende Mütter im ganzen Lande ein recht absurder Gedanke, sind gelbe Zebrastreifen an mehr oder minder passende Stellen gepinselt. In Triesenbergs Mitte befindet sich ein geleckter, beinahe ebener Platz, mit Post, Walsermuseum, Supermarkt und Restaurant, die restliche Ortschaft liegt organisch zerstreut am Hang, in den die Häuser sich an namenlosen Straßen beißen; numeriert sind sie nach Alter. Zentraler als der zentrale Platz, also mit Sinn für experimentelle Geometrie, ragt die Kirche mit ihrer bauchigen Zwiebelkuppe direkt aus Triesenbergs Eingeweiden. An der Hauptstraße trägt, als Reklame- und Ausweisschild, der Teufel persönlich, auch hier mit den Hörnern des Steinbocks dargestellt, die Kirchglocke davon, wie`s scheint, denn es scheint nur so, in Wirklichkeit nämlich schleppt er sie den Berg empor, unterm strengen Einfluß der Walser. (Tretmühle der bildlichen (nicht nur der bildlichen!) Darstellungen, die sich seit jeher in alle gewünschten Richtungen interpretieren lassen.) Das ist mein Fleisch, das ist mein Blut – Jesus hat sich unterdessen mithilfe starker Sätze in Triesenberg manifestiert, was selbstredend abfärbt: sogar die Brunnen mahnen: haltet ein! Der fremden Seele ist die gefährdete Heiligkeit der Ortschaft im kalten Wind kaum spürbar, die Triesenberger jedoch fühlen sich so heimelig darin, daß sie selten andernorts erblickt werden. Aber: der Hang soll rutschen, die Schule ebenfalls, mögliche Aufbruchszeichen des Großen Autors? Aus der Höhe siehts aus als flöße der Rhein in eckigen Wendungen herbei und dann recht unmelodiös davon. Viel fließt da ohnehin gerade nicht, das Bett bietet mehr Kies als Wasser.


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