Chur

Der Churer Wohlfühl-Parcours verläuft exakt am Damm zwischen Rhein und Autobahn. Die Äußerungen der letzteren sind weit deutlicher vernehmbar. Die Sonntagsspaziergänger scheints nicht zu stören. Grüezi, grüezi (wohl, Frau Stirnima). Der Föhn hat indes einigen Schnee von den Halden gepustet. Auf den Kiesbänken suchen beeimerte Damen nach passenden Steinen, ihr Heim aufzuhübschen. Bei den Calanda Kieswerken stürzt die Plessur in den Rhein. Im steil aufragenden Fels des Westufers springen, von zahlreichen Passanten bestaunt, die Gemsen: „das ischt dr Zoo von Chur“. Wohnkästen säumen die Giacomettistrasse, eine klobige Trabantensiedlung, deren haufendörflich anmutende Grundstrukturen im Beton versinken. Litfaßsäulen wie schräg in den Boden gepinnte Stecknadeln künden von kulturellen Aktivitäten in der Stadt: „Energie-Apéro Nr. 63: Trends in der Strassenbeleuchtung (Videoübertragung nach Poschiavo)“, „Rendez-vous am Mittag zum Thema „Die alpine Schneedecke – Tatsachen und Aussichten“. Kleiner Dialog am Empfang des Bündner Naturmuseums: „Was haben Sie denn hier?“ „Wir haben Vögel.“ „Ausgestopfte?“ „Ja, und Hirsche, Steinböcke.“ „Auch lebende?“ „Wir haben Fische und Mäuse.“ Unter reichlich Mühen wird eine zehn Rinder starke Herde von vier Burschen auf die Ausfallstraße getrieben, Kühe und Menschen verschwinden im Trab in der asfaltierten Dämmerung. Die Natur findet auf den Straßen statt. Die sich, an dieser Stelle, mit aller Macht des Asfalts (unter dem der Rhein liegen soll), gen Haldenstein krümmen und schwingen.


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