Planken

In Planken der Friedhof ist ganz neu, so neu, daß er noch keine Gräber beherbergt und laut Hirschenwirt ist das auch das Wissenswerteste über Planken mit seinen 150 Stimmbürgern, das gern auf „Gedanken“ gereimt wird, im einschlägigen Vers- und Liedgut. Die Hauptstraße bildet zugleich die Schadstoffgrenze, die im Nebel gebunden auf dieser Höhe eingelagert werden. Aromen von fauligen Holzäpfeln und Müllautos. Einen Laden besitzt die Ortschaft nicht. Dafür einen touristisch noch kaum erschlossenen Ausblick auf die Rheinebene, bei längerem Betrachten hebt sie sich dem Beschauer entgegen, wühlt ihn sich unter, befördert den Austausch von Himmel und Erde, während die Werkkomplexe von Hilti und Hilcona routiniert innerhalb dieser verwirrenden Koordinaten einher asseln in steten Gedanken an weitere Asfalttrassen und im Toggenburger Loch mehrmals täglich die Sonne untergeht. Ein manierierter Storch stakst durch die wiesengrünen Zeiten und Hänge. Östlich Planken erheben sich die Drei Schwestern, von der Jungfrau persönlich in Fels gebannte jugendliche Blaubeersammlerinnen, die den allgemeinen Fehler der Sonntagsarbeit mit den persönlichen Untugenden des Geizes und der Hartherzigkeit kombinierten, bis sie auf ihre Meisterin stießen. Bis heute spricht freigeistiger Trotz gegen das Oberste Gericht, sowie eine gewisse Auseinandersetzung mit der Nachbarschaft aus wohlgesetzten Inschriften auf schindelhölzernen Fassaden: „Ihr glaubt der Jäger sei ein Sünder / weil selten er zur Kirche geht. / Im grünen Wald ein Blick gen Himmel / ist besser als ein falsch Gebet.“ Und aufklärerisch äußert sich der stolze Jägergeist: „Kommst Du an eines Waidmanns Pforte / und siehst ein Hirschgeweih daran / lies daraus ohne Schrift die Worte / dieser Schuss war wohl getan“.


Stichworte:
 
 
 

Kommentar abgeben: