Haldenstein (4)

Von Haldenstein Richtung Norden geht’s mit dem Velo besser rechtsrheinisch, hart längs an Zugtrasse und Autobahn, aber immerhin auf Wegen, die sonst nur noch für Gänger und Reiter zugelassen sind. Machtlos plätschert der Rhein gegen die dominante Umgebung an, wirft trotzig ein paar Silberhäubchen, wirkt dennoch stark in die dritte, vierte Reihe verdrängt. Schmale Auwaldstreifen dämmen zwar kaum den Verkehrslärm, geben dem Strom jedoch Blickwinkel und Aufmerksamkeiten zurück, die sich als landschaftsmalereitauglich bezeichnen ließen, hielte die romantische Epoche noch an. Gegenüber Trimmis Industriegebiet mit seinen Kleinmuldenservices und skulptural überhöhten Quaderschleppern hoch droben auf den Rauchgasreinigungsanlagen ragt denn auch ein Lurleyfels in den industriegedeckten Hintergrund, ein hübscher chancenloser Halunke von Fels, der auf diese Weise wohl noch ein paar tausend Jahre der Entdeckung seiner Talente harren mag. Ein paar Pedalumdrehungen weiter harrt Zizers (einst Zutzers etc), 955 n.Chr. erstmals urkundlich erwähnt, aber sicherlich viel viel älter, unter Burg Friedau des nahenden Fremden. Der es rechts liegen läßt. Sich stattdessen für den schwarzen Sandstrand interessiert, den er von den Kanaren zwar, aber nicht vom Rhein kennt, bisher. Nur wenige hundert Meter weiter erneuter Halt auf dem Gelände „Geschiebe-Rückgabe Versuch der Gemeinde Zizers“, einer ansehnlichen, betretbaren Kiessammlung: gewachsene, verkrüppelte, gepfropfte Steine, gescheckte, (höhen)linierte, gebänderte, gegurtete, terrassierte, zugespitzte, abgestumpfte, gerundete, verfingerte, getigerte, gezebrate, mit Aufsitzern geschlagene Steine, Steine, Steine, die neue Steingewächse, -geflechte und -konstellationen bilden, der Farbe Grau zu ihrem unerreichten Höhepunkt verhelfen, indessen dort herumliegen und warten, bis sie vom Rhein abtransportiert und zu Feinstaub verschliffen ins Steinnirwana eintunken. Militärhubschrauber überfliegen das Gelände mit angeleinten Jeeps. Ein zwei freilaufende Hunde unsicherer Herkunft. Der Rhein selbst kann sich nicht recht entscheiden zwischen Bergbach und Strom. Ich mache den Wurftest. Fliegt der Stein bis ans andere Ufer, kann es sich nicht um einen voll ausgewachsenen Fluß handeln. Vier fünf Versuche und der Kiesel knallt gegen die jenseitige Uferbefestigung.


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