Freiburger Notizen (7)

Und auch heut wieder nicht aus der Stadt hinaus – sondern nur bis an die Grenzen des Menschen. Ich, Cyborg!? wird in Freiburg gegeben, dazu Vortäge und Podium, letztere bestenfalls mäßig erhellend, dafür mit umso mehr Blabla inszeniert. Professionalität in diesem Sinne heißt: möglichst freisprechend unter Wortgeföhne ein Problem einzuengen und beim Vorstellen etwaiger Lösungen sich rauszuhalten, da diese a) nicht budgetiert waren und b) ohnehin jeder für sich selbst finden muß. In diesem Falle beim ungeheuer drängenden, da überaus zeitgemäßen und dennoch der Öffentlichkeit viel zu wenig bewußten Thema „Selbstentfremdung durch Technisierung“, auf daß (nicht nur, aber besonders) die Künstler sich zu stürzen hätten. Dawn of the Mensch vs The rising of the Brillenschlange. In einer durch und durch akademischen, wohlstandskompostierenden, linksbürgerlichen Stadt vermutlich Tagesgeschäft: der kluge Satz zur Matinée, das schäbige Jackett als ultimativer Schick, das allgemeine Lauern auf ein Geschehnis feiert seinen 41. Geburtstag. Meldungen, die unterschiedlich aufregen: daß es nun endlich möglich sei, Käfer fernzusteuern, ihnen Laufrichtungen aufzuzwingen; die angestrebte Alfabetisierung der Käferwelt jedoch scheint weiterhin utopisch. Sprachlicher Höhepunkt der Vorträge: die akustische Inanführungszeichensetzung des Menschen erreicht bei Mathias Gutmann onomatopoetische Ausmaße, zu denen nurmehr Wissenschaftler (als ausgewiesene Avantgarde unter den zeitgenössischen Kulturtechnikern) fähig scheinen: tüttel Mensch tüttel, wobei „tüttel“ sowohl Anführungs- als auch Schlußzeichen stellvertritt. Der gebildete Ökomichel schüttelt dazu sein schütter wallendes Haar und karlmarxt (frei in Gedanken) durch sein ewig revolutionäres, dabei stets korrektes, zumindest an eingeschliffenen Korrektheiten wie etwa maximaler Privathaushalt-Mülltrennung orientiertes, Dasein. (Vielleicht morgen doch mal wieder aus der Stadt hinaus, an den puren Fluß, und den Menschen Mensch sein lassen.)


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