Asterix am Rhein

Im Rahmen der Berichterstattung zu Asterix` 50. Geburtstag wurde (einmal mehr, wie auch zu seinem 40.) jenes Kuriosum ins Feuilleton gespült, das den berühmten kleinen Gallier als rheinischen Germanen Siggi verortet. Mitte der 60er Jahre nämlich hatte Rolf Kauka (lt. Asterix-Übersetzerin Gudrun Penndorf in der taz ein „stockreaktionärer, deutschnationaler Zeitgenosse“) die deutschen Lizenzen für seinen Verlag erworben und brachte die ersten vier Asterix-Bände in seiner Zeitschrift „Lupo modern“. Dafür wurden Asterix und Obelix zu Siggi und Babarras, und das nur mit der Lupe auffindbare aremoricanische Widerstandsnest zum rheinischen Bonnhalla. Aus dessen Bewohnern wurden, diversen Quellen zufolge, von der Wiedervereinigung träumende Germanen, die restlichen gallischen Stämme wiederum zu westgotischen Kapitalistenstrolchen. Die Römer waren keine Gegner mehr, sondern coole, Kaugummi kauende “Boys“. Das Feindbild übernahmen die doofen Ostgoten und deren in roter Schriftfarbe sächselnder Führer und Genosse Hullberick. In “Siggi und die goldene Sichel” heißt es zur Einführung: “So um die Zeitenwende herum müssen sich die Germanen verzweifelt gegen ungebetene Gäste aus allen Himmelsrichtungen wehren. Bis auf die kleine Fliehburg Bonnhalla am rechten Ufer des Rheins ist ganz Germanien besetzt. Dort hat sich ein Häuflein aufrechter Krieger gegen die erdrückende Übermacht der Feinde eingeigelt…” Der Druide Miraculix hieß Konradin, in Anspielung an Adenauer. Troubadix nannten alle nur Parlamet (wie Parlament) und meinten, er solle besser die Klappe halten. Majestix wurde zu Hein Mark, den die Dörfler mal mit “Cedeuh”, mal mit “Heil Hein Mark” begrüßen. Obelix trug einen Schuldkomplex in Hinkelsteinform mit sich herum und fragte hoffnungsvoll: “Ist endlich wieder Krieg?” Nach knapp einem Jahr wurde 1966 Kaukas Lizenz auf René Goscinnys Veranlassung gekündigt.


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