Rhein vs Mekong

An den Ufern des Mekong, zu Kambodscha, soll der Preis je entbeinter Ratte auf 20 Eurocent gestiegen sein, berichteten Robert Hetkämper aus Südostasien und Particles im Wachtraum. Das macht etwa ein Euro pro Kilo Rattenfleisch. Im gleichen Gedankenrahmen bewegte sich Rheinsein ferngesteuert hinter den Elektronenschirmen. Ein Blitz frizzelte da rüber: übereinandergelegte Rattenkadaver, lappenartig, alabasterfarben, energiesparlampenlichtleuchtend, mochten auch Flughörnchen gewesen sein, stapelten sich in Kisten, die muffigen zottigen Felle, offenbar nutzlos, schwemmten den alten tranigen Fluß hinab. Rattig wirkte auch das Ufer des Niedrigwasser führenden Rheins, der magere Gedanken kreuzte, wenige dünne Linien gitterten den verwehenden Himmel, tristesse générale: die Uferbefestigungen, der verschlammte Kies, die frühe Dämmerung. Küchenabfälle und Verbrauchtes in verstopften Zuflüßen. Geruchlos Asselndes, Gepanzertes im Moder. Die alte Story, daß auf jeden Einwohner Kölns drei Ratten kämen. Der Rhein gab den Blick auf einige seiner trägen Geheimnisse preis. Gorrhstapfen von Dobermännern. Leere Krebse. Flußmuscheln als Aktentaschen des Nymfennachwuchses im Berufsschulalltag: drin: null Info, außer Nichts und dem Rauschen, das zu hören ist, wenn man sich einen Ozean in die Kopfhörer schüttet. Walgesänge von Lagerfeuern. Rutengänger und Froschmänner, leise beginnen sie ihr elektro-akustisches Konzert (Rute sirrt unhörbar, Froschmann quakt dezent (wie aus weiter Ferne), beide steigern sich aus niedrigfrequentem, nur bei höchster Konzentration erlauschbarem Beginn allmählich, beinahe stufenlos, in derbes Grunzschwirren, brechen abrupt ab, gehen grußlos auseinander und übergangslos ihren stumm anmutenden Beschäftigungen nach). Daß Ratte nach Ratte schmecke, berichtete Robert Hetkämper lakonisch. (Die Kambodschaner essen Ratten traditionell nur zu Hochwasserzeiten.) (Am Himmel überm Rhein wälzte sich zwischen Wolken und Gleißen ein überirdisches Schwein.)


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