Die Overstolz vom Rhein

50er Jahre. Die bewegte Welt wirft ihre Schwarzweißketten ab und schminkt sich fortab mit der in Bonbonnieren entwickelten Technicolorpalette. Ein junges Paar – sie mit Steckfrisur, in mit stilisierten Schneekristallen betüpfeltem roten Dirndl, er mit Betonfrisur, in stahlgrauem Anzug – verläßt an einem blaustichigen Morgen das Portal eines todschicken Betonwohnhochhauses, neben dem ein weiteres todschickes Betonwohnhochhaus aus krautigen, von kränklichen Gehwegen zurechtgewiesenen Rasenflächen ragt. Sie streben zielsicher einem geräumigen offenen Cabrio im Bildvordergrund entgegen, in das der Mann mit großer Selbstverständlichkeit einsteigt. In der Folge entspinnt sich ein rhythmisch akzentuiert geführter Dialog.
Sie: „Hier dein Frühstück und dein Hut. Deine Tasche. Sei so gut, fahr behutsam, denk an dich und an mich.“ Sie küssen sich. Sie: „Ich liebe Dich. Hier die Overstolz vom Rhein, später rauchen, steck sie ein! Und besorgst du mir die Seide zu dem bunten Sommerkleide? Ach, beinah hätt ich es vergessen, was willst du heut Abend essen?“ Er: „Wenn du mich so reizend fragst, koch doch was du selbst gern magst. Leicht bekömmlich muß es sein – wie die Overstolz vom Rhein.“ Er fährt davon. Sie rememoriert, rauchend: „Leicht bekömmlich muß es sein – wie die Overstolz vom Rhein.“


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