Heidirhein (2)

Im TV wieder Alpenpanoramen, Heidi-Blaupausen, Hohlköpfe belebend, im Hintergrund zischt, angedeutet als silberner Strich, seine Heiligkeit, der Rhein, bis oben voll mit Drogen, präziser: LSD, nebst Heroin eine seiner ureigenen Erfindungen, vor Nietzscheflimmern: „Meine Hände sind Füße / so bin ich vertauscht / der Himmel zu blau / das Wasser verrauscht“ summt, singt, surrt die aktuelle Heididarstellerin (ein Kind der Globalisierung mit wunderbar echter Ausstrahlung und einer Stimme, die Raum und Zeit aufhebt), als müsse sie sich selbst übertölpeln, verstummt umgehend, nur ein Trick, nur für den Anschein, es folgt die Sprechpassage: „Das Dorf ist die Schweiz, meine Schweiz, wo sie alle Abfahrtsprofis werden wollen und viele als eigenwillige Künstler enden, oder?“ Unverschämt strahlender Berghimmel. Heidi trägt Kopftuch, hat viele Fans in der Türkei, stellt nochmal klar: „Ich werde mein ganzes Leben aus der Schweiz kommen.“ Nachdenklichkeit suggerierende Kunstpause: „Man wird in dieser Umgebung genau so, wie das hier aussieht, ich weiß nicht, ob die Berge mir entsprechen oder ich ihnen, was zuerst da war.“ Erneute Kunstpause, zwischengeschobenes Statement für die bürgerliche Kritik und das japanische Publikum: „Man muß unbedingt unbewußt sein und naiv.“ Erneute Kunstpause, dann die Essenz: „Ich versteh nur die Hälfte, von dem was gefragt ist, und sag dann irgendwas, n`importe quoi, Fernsehen ist ja egal, Fake, unecht, fast schon Kunst, daß es das überhaupt noch gibt, faszinierend, die Moderatoren, wir Schauspieler, so spricht doch keiner, ich kenne zumindest niemand, deswegen ists auch egal wenn man nichts versteht und irgendwas sagt, konsequent, wenn man das macht, passend.“ So nichtet sie ins Alles und Nichts, geht konsequent mit sich selbst auf den Strich, abgeklärte Naivmaid im Medienzeitalter. Kurze Gesangseinlage: „Die Schweiz, meine Schweiz / ist nur ein Dorf / mit Ställen und Schnee / schön schön und schön schroff“ Kunstpause: „Es gibt nicht einen Moment an dem das alles angefangen hat, das meiste ist einfach passiert.“ Kunstpause, Weichzeichner, finales Statement: „Das ist ja meine Sprache, damit kann ich machen was ich will.“ (Im wegfadenden Hintergrund jetzt Rekruten der Schweizer Armee beim Manöver, Durchladen beim Marsch durch geheimnisvolles Territorium, Murmelpfiffe, felsiges Gelächter, wohlstandsgeschuldete Desorientheit, Fokus auf einen Ausreißer aus der Gruppe, der auf eine Tanne zu klettern versucht, um die Vögel mit Tobleronekrumen zu füttern. Ende.)


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