Am jungen Rhein

Die Alpen, die Alpen, Gottes Dritte (Pedipalpen). Geampferte Matten (muß raus das Zeug) vor Wochenendhäuschen. Schwer verkerbelte Wiesen, akeleiend, nicht wenig distelts teufelskralln, der Enzian krampft seine schnapstriefenden Wurzeln ins Gestein, glockt, wehrt sich und schreit bei intendierter Ausrupfung: sofort scheinen bewaffnete Enzianhüter auf, paar Promille im Blut exekutieren sie den Willen zum Frevel samt Frevler, die Berge kennen kein Pardon. Seit Populärwerden des Fuchsbandwurms pflückt auch auf fürstlichen Höhen niemand mehr Wildbeeren; Lotto spieln se hingegen weiter ohne Wimpernzucken. Hämisch leuchten ob dieser Umstände schmackhafteste Erdbeerwinzlige ausm Niedergebüsch. (Kann ich so nicht stehen lassen. Auch das für Touristen so gefährliche Quellwasser getrunken – sieben Tage Krankheit plus Pickel und Gewichtszunahme.) Noch mehr Alpengefahren: mit großen Augen betreiben die Kühe ihre meditative Rasenpflege, backen dampfende Fladen, heisern sich dröhnende Grüße zu, bei guter Laune improvisiern sie auch mal bißchen: auf traditionellen Tunes basierende Neue Musik. Sobald diese Wundertiere mit dem ganzen gekräuterten Gras fertig sind, fressen sie die Mineralien ausm Himmel. Wer je durch solche Löcher gesehen hat, kann hernach kein normaler Mensch mehr sein. Also besser Talblick halten: drunt fließt ein gerichteter Rhein etwas eckig von Süd nach Nord. Ganz gut auszumachen die Stelle, wo der Fluß einst gen Walensee abhauen wollte. In der Silumer Hütte ein Fläschchen Triesener Kretzer, weißgekelterter Rotwein, in dem die ganzen umgebenden Berge zu stecken scheinen. Rosé fließt die Rüfen hinab, bestialisches Traubengewitter, begleitet von zittrig gedop(pel)ten Insekten, der Waldmeister bläst seine Fanfaren und zwischen zwei nikotingelben schräg auseinanderstehenden Vorderzähnen beachtlicher Länge pfeift mein erstes Murmel seine dunkel gellende Melodie, aus den Gipfeln wachsen Galgen mit erhängten Heilsbringern dran, die Wandersleut grüßen weiter freundlich, als ginge sie`s nichts an, als seien wir alle brothas`n`sistas, grüezi, grüezi und ja hoi.


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