Bündner Straßenbau

Auf das Jahr 1823 fällt die Befahrbarmachung der Bündner Pässe Splügen und San Bernardino. Heute besitzt das Hinterrheintal mit National- und Landstraße streckenweise mehr sich gegenseitig umwindende und untertunnelnde Asfaltstrecke als sonst etwas. Seinerzeit wurde der Straßenbau jedenfalls euforisch begrüßt – wie im folgenden Gedicht aus dem Band „Gedichte über die neue Strasse“ des Andeerer Pfarrers Mattli Conrad (1745-1832), das Analogien zwischen Politik, Ingenieurskunst und gottgefälligem Leben nicht scheuend das Schweizer Poesiealbum womöglich erstmalig um das Planierwesen bereichert:

Lobgedicht über die Erfinder, Beförderer
und Ausführer des neuen Strassenbaus

Wenn Erden-Söhne auch verdienen,
Dass man für schöne Thaten ihnen
Viel Ehrerbietung, Ruhm und Dank
Erschallen lässt durch Musenklang,
So seyt ihr Herren Wohlgeboren,
Und weis und kluge Consultoren
Des Strassenbaues, so wie Die
Ihn ausgeführt durch Kunst und Müh,
Und Actionairs und Liberalen
Die auch dazu noch Wohlgefallen
Beytrugen wohl des Ruhmes werth,
So lang die Strasse sicher währt.

Ruhm Ihnen! Glück dem Vaterlande!
Der Himmel schenke jedem Stande
Auch felsenfeste Frömmigkeit
Auf jeder Strass zur Ewigkeit
Die unser Mittler uns gebauet,
Und darauf zu wandeln uns ermahnet;
Zu unserm Glück und ew`gen Wohl,
Obschon der Weg ist Mühevoll!


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