Rofflaschlucht

Landstraße wie Via Spluga, die beizeiten eines sind, führen auf das praktisch gelegene Gasthaus der Familie Melchior-Lanicca. Deren Vorfahr Christian Pitschen Melchior erschloß, inspiriert von einem Besuch der Niagarafälle, in den Wintern von 1907 bis 1914 mit harter, ausdauernder (von den raren Nachbarn als Spinnerei bewerteter) Bohrarbeit und nicht zuletzt 8000 Sprengladungen den Wasserfall der Rofflaschlucht als Touristenattraktion: „Galerie zum romantischen Rofflafall und unter dem Rhein hindurch“ kündet heute ein zurecht selbstbewußtes Schild am Straßenrand – und zum zweiten Mal (nach der Durchquerung des unterrheinischen Kölner Fernwärmetunnels) begibt sich Rheinsein, nun, was eigentlich genau: unter?, hinter?, zwischen?, jedenfalls hautnah heran an: den (hier: reißenden, schluchtenbildenden) Rhein. „Zweimal war ich schon am Rofflafall, / und ich hoffe, daß ich bald schnall / wie Christian Melchior dies hat erbaut, / mit einfachem Werkzeug er nur hat in den Stein gehaut“, dichtet die dreizehnjährige Clara F. aus Duisburg unter solchen Eindrücken und Rheinseins eigenen Augen ins Gästebuch – und weiter: „Das Wasser rast an einem vorbei / und von den Sorgen ist man frei“. Ob der Rhein sie tatsächlich beichtvatergleich abnimmt, die Sorgen dreizehnjähriger Mädchen? In der Schlucht (romanisch-magisch: tgavorgia de la Punt Crap) finden sich immerhin regnende Felsen, holografischer Rheinwiderschein und ein respekteinflößender Rofflawicht aus grünlichem Stein bei der Flußmeditation. Für drei Fränkli ist das nicht zuwenig, und sofort meldet sich der Gedanke, eine Liste der Rhein(fall)attraktionen im Preisleistungsverhältnis aufzustellen.


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Ein Kommentar zu “Rofflaschlucht”

  1. andreas louis
    23. Juli 2009 um 18:46

    Wundervoll, Stan, wundervoll! :-)

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