Alpine Anstandsregeln

“Reiße keine Bergblumen ab! Erstens sind die meisten geschützt, das Abreißen also strafbar! Zweitens – und das sollte mehr überzeugen – sind Blumen wie Menschen Geschöpfe ein und derselben Macht, sagen wir einfach: der Natur! Auch Tiere sind Geschöpfe unseresgleichen, sind ein Teil der Natur, die wir suchen und in ihrer Vollkommenheit verehren. Laß also Gemsen, Hirsche, Rehe, Murmeltiere, Salamander leben, störe dieses Leben nicht, halte Distanz! Denke daran, daß nach dir andere Bergfreunde kommen und deinen Platz am Gipfel einnehmen: wirf also kein Papier weg, verstecke deine leeren Konservendosen gut! Und verdirb die Urstille des Hochgebirges nicht durch wüstes Geschrei! Jodel- und Halloschreie gehören auf die Gaudi-Bühne und zu verdorbenen Naturburschen, du sei still wie die Bergwelt um dich! Dann siehst du auch mehr, dann hörst du auch mehr! (…)”
(aus: Walter Pause – Wandern-bergab. 100 schöne Abstiegswege in den Alpen, Bayerischer Landwirtschaftsverlag, München 1960; das farbige Titelbild zeigt in wunderbarem Komplementärkontrast zwei Wandersleut, die bergan schnuren; Papierwegwürfe als Alpinsport, seinerzeit?)


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