Maienfeld

Am Heidiweg in Maienfeld, der zum Heidihaus führt, lehnt sich Heidigasthof an Heidihotel. Über Maienfeld: dunkle Tannen, grüne Wiesen im Sonnenschein. Japaner möcht man bei solchem Anblick sein. Schaufensterln in Maienfeld, gelecktes Dörfli mit hübschem Kern: Beerliwein, Maienfelder Bratwurst und Salsiz, Chäs-Wurst, Birnbrot, Nusstorten, Heidi-Grüessli, Alp-Oehi-Brot, ab sofort von der Alp Stürfis: Joghurt, Butter, Rahm. Erstaunlich wenige Heidi-Souvenirshops. Und schon ist das Dorf, seit 831 erwähnt, durchschritten. Zweite Runde. Am Klostertorkel unter Schloß Brandis wehen tibetanische Gebetsfahnen. „Der Jugend zur Lehr`, Gott zur Ehr`“, klirrt ein Wappenmotto. „Nütze die Zeit“ mahnts praktischerweise direkt unter der Rathausuhr, die unschweizerisch stillsteht. Auf der Frontwand desselben Gebäudes ein statisch-dramatisches Großgemälde von Ernst Thommen: „Übergabe der Rechtsgewalt an den letzten Landvogt Jak. Ulr. Sprecher von Bernegg 1797“ Kindheitserinnerungen: Fraulein Rottenmeier Spends an Uncomfortable Day. Tränende Mangaaugen. Unter der Dorflinde: Schatten und Altglascontainer, geranienbekrönte Quellwasserbrunnen speien ihre erquickenden Strahlen ins überhelle Sommergefüge. „Über die Entstehung Maienfelds ist nichts bekannt“, wahrscheinlich ists einfach aus dem Boden gesprossen, „damals hieß es Lupinis oder Statio Maiensis oder Statio Magia“, soso. Der Rhein kommt in Johanna Spyris Buch ebensowenig vor wie der Marché Rastplatz an der Autobahn. In der Bahnhofsgaststätte sitzen sie beim nachmittäglichen Bier, gedrungene rotgesichtige Einheimische. Über ihren Schädeln rotiert ein Ventilator. Die Bedienung taxiert den Fremden, als wolle sie ihm in die Waden beißen. Wie alle Heidis im Dorf ist sie blondiert, bestöckelt und großzügig ausgeschnitten. Der Fremde läßt ein indifferentes Jodeln verlauten und macht sich stracks vom Acker.


Stichworte:
 
 
 

Kommentar abgeben: