Heidirhein

Sargans, so gansbenamst, so schnell wieder verlassen: da ragt schwach im Rücken wahrnehmbar das instandgesetzte Hügelschloß ausm Durfahrtsörtli, die umgebenden Berge ragen da schon deutlich strenger und sind doch nur erschreckende Versprechen auf die Bündner Täler und Höhen weiter im Süden. Über die Passerelle ins industriegebietne Nichts entstehender Straßen: die riesigen Malbuner Kochschinkenberge auf der Ospelt-Fabrik, vom Mittagsglast gedörrte Wegschnecken, plötzlich blockt eine Herde berggängiger Rinder meine staubige Bahn, der Viehtreiber aufm Fahrrad hinterher, den Rhein hat in Sargans noch selten jemand erblickt, so versteckt liegt er hinter Feldern und Auen und stärker als seine Fluten rauscht im Tal die Autobahn, wieder einmal – womöglich ist die Autobahn längst der eigentliche Rhein und nur Nostalgie hält uns davon ab, das auch zu glauben. Nach einigem, linksbündig orientierten Fußmarsch ist der Damm erreicht. Zarteste Bläulinge umflattern den Hauhechel, im Gebüsch zwitschern, flipschern und itschern sonstwie, die Landschaft kommentierend, Fitis und Ammer, unter Wallungen eilt er dahin, kalkig-milchig, aller protzigen Umgebung EEG, stur, strikt, stet: der Rhein. Auf halber Strecke nach Bad Ragaz eine ansehnliche Kiesbank, auf der sich der Fluß, gleich einem natürlich zerstreuselten Japanischen Garten, sozusagen begehen läßt. Wundersame Welt der Kiesel: grünliche oder edelmetalln schimmernde; ein paar sammle ich ein und mit ihnen die darin eingefaßten flitschigen Zwerg-, Kleinst- und Nanogeister, alpine Amulette für den Fahrensmann. Granitne Höhen, die stilsicher mit Wolkenfetzen jonglieren. Silbriger Kiesbankbewuchs; eine Schirmkappe kühlen Kalkwassers übern Schädel geschöpft. Zurück aufm Damm tummeln sich Natternkopf und Schlingnatter, Hundehalter und Rennradler, Schwarzkehlchen und Hermelin ohne größere Zusammenstöße im Uferbereich. Die Fläscher Brücke führt ins Herz des Heidirheingebiets: ganz nah an die Autobahn.


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