Rheinbeschaffenheit

Weiter aus dem Spescha:
„Die Helligkeit seines Waßers ist kaum vergleichlich. Alle Gebirgswäßer sind zwar, wenn sie durchgeseicht und als Brunnquellen zum Vorschein kommen, rein und nehmen jene Farbe an, welche ihre Unterlagen darbieten. Sie werden aber zu Zeiten, und vorzüglich des Sommers, durch Tauwitterung und Regengüßen getrübt. Besonders aber geschiecht dieses, wenn die Glätscher zu schmelzen beginnen und starke Regengüße, welche den Staub der Kalk- oder Thontrümern, welche auf dem Schnee oder Eise durch Verwitterung aufgelöst werden, wegschwemmen, erfolgen. Und alsdann nehmmen die Gewäßer jene Gestalt der Farbe an, die sie vom Staub der Auflösung bekommen haben. Sie verlieren aber allmählich ihre Trübe bei ihren Fortwälzungen und Ruhestätten und werden weißgrünlich. (…) Was ihn aber am meisten trübt und unansehnlich macht, sind seine Zuflüße, welche von vermoderten und eisenschüßigen Thonschiefer weggespühlt und zugeschwemmt werden. Vom Geschmack des Rheinwaßers läßt sich`s wenig schreiben, weil er vom Gaumen eines jeden beurtheilt wird. (…) Die Waßerfälle des Rheins sind insgemein und insbesondere merkwürdig und ziechen jährlich viele Menschen aus fremden Landen dahin, um sie zu beschauen. (…) Die Seen, welche dem Rhein Zufluß bringen oder von ihm durchgefloßen werden, sind äußerst mannigfaltig und spiegeln unvergleichlich. (…) Kaum wird man in Europa eine Stein- oder Mineralart finden, welche im Geschiebe des Rheins und seinen Zuflüßen nicht vorgefunden werden. Denn, um von den gemeinen Stein- und Mineralarten zu schweigen, wälzt er sich vom ersten bis zum niedrigsten Alpenkamm Versteinerungen von Menschen, Meer-Thiere und Pflanzen, Stücke von Jaspis und Jaspisachat, von Carneol (ist wohl ein Irrthum), Chalcedon, Achat, Onix u.d.m., von Topasen, Chrystallen und Granaten und Niederschläge von Silber und Gold etc. (…) Seine Quellen entspringen nächst unter dem Luftraum, dringen meist durch Granit- und Gneißgebirge; sein Waßer muß also das reinste und schmackhafteste seyn; wie können hiemit die Thiere, welche darin leben und schwimmen, anderst als die reinsten und schmackhaftesten werden? (…) (Dieser ganze Abschnitt muß wegbleiben:) Nicht eine andere Wirkung hat dieser Fluß als jene, die ihm der Schöpfer der Natur gegeben hat. In Rücksicht deßen hat er, im allgemeinen Verstand, jene Wirkungsnatur wie andere, denn er fallt, rinnt und dünstet aus etc. wie andere Flüßen. Er fällt nemlich, weil er vom Luftkreis betrückt wird; er rinnt, weil er von seiner eigenen Schwere zum fortwälzen bestimmt ist; er dünstet aus, weil er sein Naturspiel forttreiben muß und damit er immer fortfließen könne. Er wirkt in das Feuer und mäßiget es; er wirkt in die Luft und bereichert sie; er wirkt in das Meer und füllt und verdünstet es; er wirkt auf die Erde und befeüchtet sie und macht sie fruchtbar; er wirkt auf Menschen und Thiere und belebt und erhaltet sie. (…)“


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