Der Name des Rheins

Aus Placidus Speschas „Genaue geographische Darstellung aller Rheinquellen im Kanton Graubündten nebst der Beschreibung vieler Gebirgsreisen in dieser wenig besuchten und erforschten Alpengegend“:

„Zum Grundsatz angenommen, daß die Babylonier das Land Lydien in klein Asien unter der Anführung des Lud in Besitz genommen; die Lydier aber eine Kolonie unter der Leitung ihres Anführers Tyrrhenus nach Hetrurien in Italien verschickt und diese das Poland, welches ehemals Thuscien und nun das lombardische Königreich genennt wird, bevölkert haben; müßen die in Räthien um das Jahr 620 vor Christi Geburt eingewanderten Thuscier den Namen des Flußes beigelegt haben. Allein hier gehet eine andere Frage hervor: ob nemlich das Wort Rhen, wie wir`s noch zum Theil aussprechen und die Lateiner Rhenus schrieben oder wie es gegenwärtig Rhein geschrieben und allgemein gesprochen wird, ein abgeleitetes oder ein ursprüngliches Wort sey. Ich aber meines Theils halte es für ein abgeleitetes und entweder mit der mittlern Sylbe des lydischen Kolonieführers Thyrennus oder von dem Stammvater der rhätischen Nation Rhaetus hergeleitetes Wort. Denn wir haben noch mehrere Namenwörter in unserer Sprache, welche auf das Althertum unserer Geschichte hinweisen, (…)“

„Der Rhein hat eine hochadeliche Geburt; allein schon zur Römer Zeit ging er gehörnt zum Abgrund des Meers zu, und jetzt eilt er nach seiner bestimmten Ruhe ohne Ehre und ohne Namen. (…) Wie Strabo das Gebirg, wovon der Rhein entspringt, Aduallas nennt, so nennt Ptolomäus es Adula. (…) Die Räthier sprechen noch jetzt duals, uals und auals aus, wenn sie Bäche oder Wäßer bezeichnen wollen. Wenn sie aber: zu den Bächen oder Wäßer sagen sollen, sprechen sie: a duals oder ad uals und ad auals. Wenn ich aber das Wort Adula einzel betrachte, so kommt es mir vor, die Alten wollten die Flüße Adda und Arola, mit Weglaßung einiger Buchstaben, in einem Wort verbinden.“


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