Neues aus dem Sommerloch

Das 2009er Sommerloch hat sich geöffnet. Zwei Stadt-Anzeiger-Reporter durchschwimmen DLRG-begleitet den Rhein. Modrig, ein bißchen sauer und nach Diesel soll er in der Flußmitte schmecken. Ansonsten: kräftige Strömung. Noch ist diese Saison kein neues, unbekanntes Wesen daraus aufgetaucht, die Leser dauerhaft bei der Stange zu halten. Im Taubergießen geht die Sage von einem Schwarzen Schwan, der sich in den Tiefen des Bannwalds versteckt. Wer ihn je erblickt, braucht sich um sein irdisches Glück keine Sorgen mehr machen. Aber das weiß man bei der Kölner Presse nicht. So sinnend wandle ich durchs neue Rheinauhafenviertel, klinisch sauber glänzen die bereits fertiggestellten Gebäude in einzelnen, die Gewitterwolken umtastenden Sonnensalven. Vereinzelte Büromenschen in Stehgruppen wirken wie geleckte hyperrealistische Skulpturen „Aus dem Geschäftsleben“. Gleißen frisch gepreßter Münzen in der Luft. Stadtbekannte Künstler und Dichter schleichen über die Baustelle, als böte sie tatsächlich Inspiration. Verhaltene Grüße unter Kollegen und Bauarbeiter, die auch von Playmobil sein könnten. Eingeleitete Zellteilung in Glas und Beton. Die Stadt pellt sich aus sich selbst, macht ein paar hübsche Versuche in aalglatter Lebenssimulation. Hochpreisig, selbstredend. Bleifarben walzt der modrig-saure Dieselrhein. Eine silberlegierte Sonnensalve brennt für einen Moment sämtliche Geräusche aus der Luft. Gruppenbilder mit Rhein auf der Altstadtpromenade. Besoffene auf den Wiesen, Gaukler in Krachledernen, verhuschte Bob Dylan-Interpretinnen. Auf der Domplatte schließlich tobt eine gigantische Flashmob-Wasserschlacht, höchst inoffizieller Versuch, dem Sommer das weit aufgerissene Maul zu stopfen. Der löstige Kölner ruft aufgebracht seine ratlose Schmier, Touristen filmen, lachen, applaudieren.


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