Rheinsteinadoption

oder: Ideelle wie wahrhaftige Suche nach dem Tier im Stein.

Einen schweinsnasigen Rheinsteinfund satten Kalibers unterzieht der Kölner Künstler Roland Bergère derzeit einer schweißtreibend-staubfördernd-lärmemissionierenden Behandlung mit Hammer und Meißel. Der gesamte Prozeß wird für eine kommende Ausstellung unter dem poetischen Titel„Auf der Suche nach dem wunderschönen Wesen“ videodokumentiert. Die dafür nötige brutale Behandlung, vom Künstler als „Zwiegespräch“ verharmlost, folgt in ihren Grundzügen einem schwirrenden Verzällcher über eine der beiden Hauptessenzen menschlicher Anstrengungen. Dat Verzäll geht in etwa so: Der Lehrer fragt seinen Schüler: „Und was möchtest du machen?“ Der Schüler schaut gleichzeitig ernst und verträumt auf den Betonblock, der vor ihm auf dem Tisch in alle verfügbaren Dimensionen ragt. Dann schaut er seinen Lehrer an: stein„Einen wunderschönen Elefanten!“ Ab und an sieht der Lehrer nach dem Rechten und wie der Schüler fleißig mit Hammer und Meißel werkt. Der Tag neigt sich dem Ende zu, ein letztes Mal schaut der Lehrer nach den Bemühungen des Schülers. Der starrt ruhig und verstaubt auf einen Haufen Bröckchen, Splitter, Mehl. „Wo ist denn der wunderschöne Elefant?“, fragt der Lehrer. „Ich habe ihn den ganzen Tag im Stein gesucht, es war aber keiner drin zu finden.“


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