Rheinhausen-Niederhausen

Rheinhausen-Niederhausen wird von der nahegelegenen Metropole Herbolzheim per Bus bedient und liegt wenige Kilometer unterhalb Rheinhausen-Oberhausen, mit dem es zu Zeiten der Gebietsreform zu Gesamt-Groß-Rheinhausen fusionierte. In der Ortsmitte drei betreute, das Klappern übende Störche im großen Nest auf dem Wehr/Ehr-bereimten Spritzenhaus. „Auf dem fruchtbaren Lößboden zwischen den Ortsteilen Ober- und Niederhausen im Gewann Rebbürgerfeld waren bereits vor rund 7000 Jahren Menschen sesshaft, die von Ackerbau und Fischfang lebten. Die Rebbürgerfeldleute zählen zu den ersten Bauern, die in Mitteleuropa archäologisch nachzuweisen sind.“ (Wikipedia). Störche, denk ich, wo Störche sind, sind auch Kröten. Wie in einem langsamen 50er-Jahre-Western windet sich die Hauptstraße durch Niederhausen. Es gibt viele Hinweisschilder auf Schnapsbrenner, Gasthäuser, Nachbarorte und den allgegenwärtigen Europapark Rust, aber keins auf den Naturpark Taubergießen. Bei der Suche helfen zwei freundliche alemannische Hutzelweiblein, die noch in direkter Linie von den Rebbürgerfeldleuten abstammen mögen, unter deren Kopftüchern sich aus dem Beerengestrüpp knorrige, über die Jahrhunderte gewachsene Larven abzeichnen und die mit ihren Handsicheln längst in Vergessenheit geratene Kräuter und Unkräuter, Büsche und Unbüsche schneiden, um aus Stengeln, Blättern, Blüten wahnsinnige Tinkturen zu seihen, garen, pressen. Der Taubergießen, jaaa-h, klingt erst leise als Begriff ihrer fernen Jugendzeit an, dann wächst die Erinnerung, ha, dort beim Gasthaus „Hirschen“ links und dann immer geradeaus, soweit die Füße tragen. Oder die in der Gegend sehr beliebten Elektrorollstühle. Bilderstöckle hier, Bilderstöckle da. Am Waldrand tarnt die geheime, als Ionosfereninstitut getarnte, vom Bundesnachrichtendienst betriebene Abhöranlage zur Satellitenaufklärung ihre Radome als Riesen-Champignons. Dahinter rauschts wie Gießen oder wie etwas anderes, höchstwahrscheinlich aber wie Gießen.


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