Mulhouse sémantique

Im Norden beginnt Mulhouse zinedinezidanesk mit Bolzplätzen zwischen Hochhausgruppen und Wohnbaracken. IRISL. Im Zentrum ein Illhafen, Hausboote, verwaiste, geranien- und petunienbekästelte Promenade (kein Geranien-Petunien-entweder/oder!), schwammig grün dümpelnde Ill, bekränzt von kleinen Schaumwürfen, PET-Flaschen, ertrinkenden Blüten. Zwangsbestorchlogot: Potasse d`Alsace. Les Voyages Lesage. Repas Rapide. Ungesungene Chansontitel. Halsbrecherisch kunstfliegende Spatzen. Nahe der Rheinoper, dh im Theater-, dh wohl auch im Künstlerviertel klebt auf dem Boden die Kotze von letzter Nacht. Dezente Bettler. Les Amis de l`Emancipation Sociale, les Amis du Monde Diplomatique, les Auditeurs Modestes et Géniaux de Belfort vous invitent à un débat avec Francois Ruffin sur le thème de son livre „La Guerre des Classes“. Mischkulturelles Straßenbild. Menschen mit Hunden und Kindern (Square Steinbach) – wer geht mit wem Gassi? Arbre de la Liberté (8. Mai zerkratzt) – jedenfalls: ne filigrane Jungeiche. Le kiosque de Brothisla (tatsächlich e Brothäusle un net der Nam vun der Fra wo hinnerm Trese steht). Fleischnakas. AND` GEL NAILS. Formation, pose d`ongle, changez de vie. Von grünen Hoffnungsbögen überspannte Straßenbahnhaltestellen. Vélocité – städtische Leihräder gegen Elektrocash. Rue Engel Dolllfus, wer heißt denn so? Aha, ein „Industrieller und Philanthrop“, früher Doppelname. Im Gimex Market drehn sich die Grillhähnchen in ner Schutzvitrine am Tagesrand entlang. KISS KLUB. Betül, je t`aime. Was ist nun ein bétul? (Bétel?) Umgekehrt die Türken wieder: MIL FÖY für millefeuilles. Weitere übersetzerische Feinheiten: Rue des Bonnes Gens/Güàtàlitstross. Rue de la Justice/Schindergàsslà.


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