Vogelgrun

Nähert man sich dem Département Haut-Rhin von Breisach aus zu Fuß, stehen zur Linken einige, amerikanischen Vergnügungsmeilen entnommene/entkommene, Buden zur Disposition, welche Tabaklädchen, Restaurants, eine Music-Bar, ein Pornokino und zuguterletzt, auf den letzten Quadratmetern Deutschlands, einen McDrive vorstellen; zur Rechten Mirabellenbüsche. Ein altes japanisches Sprichwort besagt: „Hebst du den Blick, siehst du keine Grenzen.“ Es geht flugs übern Rhein, der auf Breisach („Stadt der grenzenlosen Vielfalt“) zu deutlich schmaler ausfällt als der Rheinseitenkanal mit seinen Vogelgruner Schleusen. Leider wegen Umbauarbeiten geschlossen hat der den Kraftwerken angeschlossene vielversprechende Nixengarten, der bekannte und unbekannte Pflanzen und Wesen im Repertoire aufweist. Schneekugellandschaft mit sinnvollen Fresken an den Maschinenräumen des Kraftwerks und sommerhimmelblau gestrichenem Strommastenfeld vor unscharf konturierten Vogesen. Der Ortskern: Village fleuri, die Opunzien tragen ihre kleinen roten feinbestachelten Früchtchen. Viele deutsche Namensschilder. Das „Echo du Rhin“, transportiert von der „Harmonie de Kunheim“: Ländler-Blasmusik auf vergilbenden Plakaten. Tournoi de belote, Schafskopf auf Französisch. Das Dorf ist schnell durchschritten, auffällig das malvenblaue Rathaus, jedweden optischen Erinnernswert im Keim erstickend die gegenüberliegende Place du Souvenir. Wikipedia sagt: „Dr Name kommt von “Vogelgrien” un meint nit e griene Vogel, sundern dr Wortteil grien wiist uf e Sandbank im Rhin hin, wo wohrschins von Vögel als Raschtplatz gnutzt worde isch.“ Auf dem Vogelgrüner Wappen stürzt sich eine weiße Raubtaube vor grasgrünem Himmel diagonal in den mit Silberwellen stilisierten Rhein.


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