Ein neues Panorama für Remagen

Ein irritierendes Bauschild steht am Remagener Rheinufer und weist auf „Ein neues Panorama für Remagen“. Der Bildbeweis (siehe unten) eignet schockierend-futuristische Elemente, insofern, als es sich um einen Futurismus-Stil der Vergangenheit handelt, der bis in die Gegenwart reicht, etwa bei der Architektur des nur wenige Meilen nördlich sich befindenden Sea Life Königswinter. Und so stand ich vor dem Schild und fragte mich reflexhaft: „Meinen die das ernst?“ Dann deflexhaft: „Und wer zur Hölle wären die?“ Bei näherem Durchforsten der wenigen schriftlichen Informationen nach Autorschaft und eventueller Verantwortlichkeit stach an geeigneter Stelle das Wort „Künstler“ hervor. Thomas Huber der Name dahinter. Zum Glück nur Kunst das ganze, also künstlich, also schon vorhanden, aber halt eher imaginativ, und doch Grund genug für rasenden wie aussetzenden Puls, Groll und Respekt. Immerhin, in Remagens dunkelsten, dreckigsten, ruppigsten Straßen finden sich gar Graffiti und Tags, das Kunst-Bauschild hingegen wies nicht einmal Tomatenflecken auf.

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Was die Erpeler am rechten Ufer wohl zu den gewagten stadtplanerischen Vorschlägen für ihren trotz moderner Verkehrstrassen immer noch so romantisch müffelnden Flecken meinen würden? Die Antwort steht natürlich im Internet: „Sie fühlten sich bzw. ihr Erpel in der von Thomas Huber dargestellten Vision “Ein neues Panorama für Remagen” verunglimpft, ja beleidigt und sie sahen die so geliebte historische Ortsansicht Erpels verunstaltet.“ Selbst der rheinischste Humor hat seine Grenzen. Direkt neben dem Bauschild geht übrigens die Fähre „Nixe“. Eine Namenswahl aus Selbstironie, Aberglaube oder Ignoranz? Wer schreibt auf eine Fähre „Nixe“ drauf? Der Eigentümer und kein freier Künstler. Was in jedem Fall besser ist für die allgemeine Akzeptanz.  (Foto: Roland Bergère)


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