Für eine von den Rheintöchtern

Ich kenne sie längst als weiblichen Geist,
der in den Wellen weilt. Als lauter wässrige
Schatten der alten Loreley. Niemand sieht

sie. Sie kommt aus dem Rhein, ein Mann
muß herbei, für sie, jeden neuen Mai. Sie
klatscht ihn dann naß, umspült ihn nackt,

sie steht ihm bis zum Hals. Er geht ins
Nichts, sie folgt ihm dorthin als Tropfen
allenfalls. Ihr Mund besteht aus Strudeln

ein Spiegel liegt in ihrer Stirn. Es heißt,
sie sei ziemlich primitiv. Besitze Instinkt
mehr als Hirn. Vor Jahren kämmte ich

ihr Algenhaar und tanzte mit ihr als Aal.
Sie sagte: Schreib mir ein Gedicht. Wenn
sie jemand sowas sagt, hat er keine Wahl.


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