Goar, Sankt

Verzinkt wirkt der Rhein im Abenddämmer. Hat seinen besten gewellten Metallanzug an. Klar, ist Vatertag und er selbst ja sowas wie Übervater. Aus den fernen Burgruinen, den dunstigen Weinbergen und zwischen größeren Industrieanlagen steigen halbstündlich Christusse in den Himmel, von den Einheimischen als ortsnotorische Spinner abgetan. Drüben zischt die Loreley am ICE vorbei, triffts hohe C, die Zugfensterscheiben wackeln bedenklich, bersten aber nicht. Dafür gibts mittlerweile Plexiglas. In diesen Dörfern läßt sichs sicher prima ruheständlerisch die Eier schaukeln, die ganze bittersüße Geschichte im Blick, fußend auf erfundenen Sagen, auch auf echten Mördern in braunstichigen Familienalben und bis zum Bauchnabel durchtränkt mit Rieslingsäuren. Als Wirklichkeitsanschluß das ewige Rattern der Trassen. An klaren freien Tagen die alte Waldfee aus allen Perspektiven digital ins Kreuzfeuer genommen, am Rechner dann mit so nem kompakten Bildbearbeitungsprogramm präpariert und ins Netz hochgeladen, der gesamten Welt zu zeigen, was richtig schön ist: Auf der Tonspur belehrendes der Art, wie`s seit jeher überall blendend ankommt. Danach das Material unter G ins Regal verklappt wie eben zuvor ins große G der Zeiten.


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