Gorrh (2)

Gorrh, wie er aus dem Tunnel des Alltags tritt, ein paar Leuchtröhrensplitter als Sternersatz im Haar, wie er den Rhein schlürft, ihn säuft, wie er zahllose Rheinstränge in sich aufnimmt, wie er von den Anwohnern mit Kirschen und Trauben beworfen (ein junges, an Gorrhs Humor appellierendes Ritual, das Gorrh achten und friedfertig stimmen soll) mit seinen riesigen Händen die Einkaufszonen freischaufelt, die angestaute Luft entsorgt, wie er einen fürchterlichen Laut läßt und in den Marktbrunnen brunzt, rheinblauer oxygenischer Strahl, wie er Werbeplakate von den Straßen reißt, diese Informationsfolter, einige erste Jünger folgen seiner Spur, huldigen Gorrh, lassen sich gern den Kopf abreißen, sich aussaugen, dient es nur Gorrhs Frische und Kraft, mit der er über das Land kommt, das verkehrsdröhnende Tal, das nun ganz von Gorrhs Geräuschen erfüllt ehrfürchtig innehält, selbst die Kehlchen schweigen, die Zilpzalpe gar. Gorrhs Brummen, Hecheln, Stöhnen ist ein vielgestaltes, fließendes, überraschend seine Richtung wechselndes und wer ihm nicht ausweicht, liegt darnieder. Aus seinen Körperöffnungen schießt Gorrh Energieemulsionen, flexible Quecksilberkugeln, die übertriebenen Kommerz und schlechte Gedanken binden. Zuhauf flüchten Menschen mit halben Köpfen über die Straßen, aufgrund Gorrhs Intervention blitzartig ihrer schlechten Gedanken entledigt und unfähig, sich weiter zurechtzufinden. Gorrh spuckt eine abgekühlte Feuersäule und bringt mit seinem Lachen die Wolken ans Wackeln. Gorrh kennt kein pro oder kontra, Gorrh agiert. Die Versuche, ihn mit Netzen, Betäubungsmitteln und konventionellen Schußwaffen am Ausüben seiner Tätigkeit zu hindern, gingen nach hinten los. Gorrh gorrht seitdem mit erhöhter Intensität. Eine Liebesfalle für Gorrh schlug fehl. Gorrh entwickelt sich zum Inbegriff der Liebe selbst.  Nachts reißt er den Rhein aus seinem Bett, schlingt ihn sich wie eine Federboa um den Körper und geht tanzen.


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