Apollinaris

Unten erwähnter St. Apollinaris von Ravenna, einer der ca. 6650 aktuellen Heiligen und Seligen der katholischen Kirche, ist für seine Wunderheilungen, seine Teufelsverscheuchungen, seine christliche Standhaftigkeit selbst unter der Folter, d.h. als Märtyrer, evtl. sogar als Anlaß für das Auslöschen hunderter seiner heidnischen Verfolger nicht nur in der Legenda aurea des Jacobus de Voragine abgefeiert, sondern sogar von Gott in den Himmel aufgenommen worden. Wie so eine Himmelsaufnahme stattfindet, darüber gibt es wenig gesicherte Berichte, wohl aber literarisierte, bzw. Gemälde mit fiktiven Elementen wie überirdischem Licht und Heiligenscheinen. Offenbar vollzieht sich der Himmelseinzug praktischerweise auch ohne Schädel und Knochengerüst – wie anders wäre Apollinaris Heiliger Schädel in Remagen zu erklären? Bzw. wie läßt dieser Ravennerschädel sich überhaupt in Remagen erklären? Per Legende: Als Rainald von Dassel die Dreikönigsreliquien als Kriegsbeute aus Italien nach Köln brachte, hatte er neben den Breisach gegebenen Gebeinen von Gervasius und Protasius auch Apollinaris Schädel im Gepäck. Bei Remagen soll sein Schiff solange die Weiterfahrt verweigert haben, bis der Schädel von Bord war. Andre Zeiten, andre Verkehrsprobleme. Womöglich wird es einst Zeiten geben, in denen das Bild eines heuer normaltypischen Autobahnstaus bzw. einer normaltypischen und oft schon schwer genug erklärbaren Bahnbetriebsstörung als völlig unrealistisch oder dumm erachtet, bzw. dem Reich der Mystik zugeordnet werden wird. Zurück zu Apollinaris selbst: „Apollinaris war Sanct Petrus Jünger und ward von ihm von Rom gesandt nach Ravenna. Daselbst heilte er eines Tribunen Weib und taufte sie mitsamt ihrem Mann und ihrem ganzen Hause. Das ward dem Richter gemeldet, und Apollinaris ward alsbald vor ihn gebracht und in den Jupitertempel geführt, dass er daselbst opfere. Da sprach er zu den Götzenpriestern, dass man das Gold und Silber der Götterbilder besser den Armen gebe denn auf die bösen Geister wende. Darum ward er ergriffen und mit Knütteln geschlagen bis er halbtot liegen blieb. Seine Jünger aber huben ihn auf und pflegten sein sieben Monate lang (…)“ Kaum erholt, soll er in Ravennas Umland einen stummen Edelmann heilen: „Als er aber in das Haus kam, lief ihm eine Jungfrau entgegen, die war von dem Teufel besessen, und schrie: „Weiche von hinnen, Knecht Gottes, sonst will ich schaffen, dass du gebunden an Händen und Füßen zur Stadt wirst hinausgeschleift”. Apollinaris aber schalt sie und zwang den Teufel, dass er ausfuhr. Darnach rief er über den Stummen den Namen des Herrn an und heilte ihn; davon wurden mehr denn fünfhundert Menschen gläubig. Da schlugen die Heiden ihn mit Knütteln und wollten ihn zwingen, dass er den Namen Jesu nimmermehr ausspräche; er aber rief, da er am Boden lag, Christus sei allein der wahre Gott. Sie stellten ihn auch mit nackten Füßen auf glühende Kohlen; doch da er auch so ohne Furcht Christum predigte, stießen sie ihn aus der Stadt hinaus.“ Undsoweiter undsofort, flankiert von kleinen Vergeltungsschlägen: „Aber auch in der Folter predigte Apollinaris standhaft den Namen des Herrn. Da ließ ihm der Vogt kochend Wasser in seine Wunden gießen und wollte ihn, mit schweren Ketten gefesselt, in die Verbannung senden. Als aber die Christen solche Frevel sahen, wurden sie zornig und machten einen Angriff auf die Heiden und töteten ihrer mehr denn zweihundert.“ Am Schluß wird wieder auf ihn eingedroschen und er haucht sein Leben aus im Aussätzigenviertel von Ravenna. Oder auch anderswo. Die Quellen schwanken und widersprechen sich, auch um rund hundertfünfzig Jahre bei den Lebensdaten. Immerhin, die Heiligenknochen sind offenbar wirkmächtig und klar zuzuordnen und neben Ravenna und Remagen auch an illustren Orten wie Gorinchem, Dijon, Reims und Düsseldorf verteilt.


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