Freiburger Notizen (2)

Die Innenstadt Freiburgs ist von einigen Wasserläufen durchzogen und die Bächle und Gräben werden bis heute von einem Runzmeister gesteuert. Wer in eins der Bächle dappt, muß in Freiburg heiraten. Ein schwer zu deutendes Los. Beinah hätt es mich ereilt. Wenn mans weiß, dappt man jedenfalls vorsichtiger einher. Aus dem reißenden, idyllisch ein paar Meter ins oberirdische Stadtbild gefügten Gewerbebach ragt ein vorgeblich nachdenklicher Krokodilsschädel, von Versen mittlerer Dichtkunst flankiert: „Aus Stein steht hier das Krokodil / mit breitem Maul, doch nicht vom Nil / Schaut raus aus dem Gewerbebach / schaut bis zum Hause Himmelsbach / sieht Euch und uns und denkt sich viel“. Weitere Skulpturen in der Innenstadt: der Schneckenreiter, ein nackter Knabe auf einer Weinbergschnecke; von einer Hauswand grinst ein schwer zu greifender, bunter Gesell, der so etwas wie eine vagina dentata präsentiert. Weiter draußen wird ein skulpturales Vorgartentier nächtens immer wieder neu bepinselt, studentischer Volkssport. Unterbrezelte Märtyrerszenen auf Münsterglasfenster, vermutlich zunftgestiftet. Desweiteren ein hölzernes Abendmahl in Lebensgröße, hintergittert und eine ebenfalls lebensgroße Sandsteindarstellung des Grabes Christi um 1330, hintersäult. Ein rebenbotanischer Lehrgarten mitten im Städtle und folgerichtig einige Schnapslädle mit lokalem Obstler „Zibärtle“ aus der Wildpflaume. Ein lohnenswerter Eintrag ins Lexikon bescheuerter Friseurladennamen: „Hairzblut“. Es heißt immer wieder, Freiburg berge und beherberge für seine Größe erstaunlich viel Kultur. Was solche angeht, sind mir vor allem die vielen asiatischen Restaurants mit günstigem Standardmittagstisch und die internationale Straßenmischung aus allen Kasten aufgefallen. (Mal wieder den Dielhelm abgleichen!)


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