Schauinsland

Aufn Schauinsland rauf mit der Schauinslandbahn. Aus der Seilbahn-Gondel weitet sich stufenlos der Blick übers Rheintal, Freiburg schmilzt zu einer überschaubaren Siedlung, überraschende Restschneestapel an der Gipfelstation, einige nördliche Matten und der obere Feldberg sind noch schneebedeckt, während Löwenzahn die abgetauten Wiesen bewimmelt und beleuchtet. Die restliche Flora trägt je nach Standpunkt interessante bis bedrohliche Namen: Bärwurz, Blutwurz, Schwarze Teufelskralle. Scheuchzers Glockenblume gilt als Eiszeitrelikt. Aus Blutwurzsaft wird ein lokaler Schnaps destilliert, die Pflanze trägt außerdem folgende Namen: Dilledapp, Natternwurz, Rotwurz, Ruhrwurz, Siebenfinger, Tormentill. Gegenüber liegt der Tote Mann, ein weiterer Berg mit sprechendem Namen, der Rundumblick endet an den Silhouetten der Vogesen und wird getrübt von einem schwer erklärlichen Dunst, den der unsichtbare Rhein auszuschwitzen scheint. Windgestaltete Laubbäume gibt es oben auf dem Schauinsland, während die Hänge voller Tannen stehen. Scheffels Waldgeist Meisenhartus läßt sich hier vermuten, überhaupt jede Menge Kleinlebewesen, von käfrigen Zwergen, welche nach Genuß von versteinertem Schnaps die knolligen, flechtenbärtigen, treppenbepilzten Bäume emporhüpfen über drollige, holzige Langarmmakaken hin zu Vollmeisen, Wolpertingern und Nadelingen, nicht alle gutmütig, aber bodenständig und zu urig-knarzenden Geräuschen imstande. An der Gipfelstation dann typisches Schwarzwaldvesper, Wurstplatte und Schäufele, die Fabel- und Halbwesen verschmähen seit einigen Jahrhunderten Produkte vom Schwein, der westliche Mensch nimmt auch das als Zeichen der Absonderung wahr, anstatt froh zu sein, daß die Bedrohung seines Viehs durch klauenzähnige, schnelle, gedrängte Nachtlinge nurmehr Geschichte ist.


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